Die Balkanroute soll für Flüchtlinge ein halbes Jahr nach Schließung der Grenzen noch undurchlässiger werden. Darauf haben sich laut Österreichs Kanzler Christian Kern die Anrainerstaaten der Balkanroute bei ihrem Gipfel in Wien geeinigt. An dem Treffen nahmen auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Griechenlands Premier Alexis Tsipras teil.

Die europäische Grenzschutztruppe Frontex solle aufgestockt werden, sagte Kern. Einsätze entlang der Strecke wie etwa im Nicht-EU-Land Serbien seien möglich. "Wir brauchen wieder Kontrolle über unsere Außengrenzen", forderte Österreichs Kanzler. Die Europäische Union und nicht Menschenschmuggler sollten darüber entscheiden können, wer nach Europa komme.

Griechenland hat laut Merkel Unterstützung von Frontex zur Sicherung der Grenze zu Mazedonien und Bulgarien angefordert. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte schon vor Beginn des Gipfels: "Wir müssen praktisch und politisch sicherstellen, dass die Westbalkanroute für illegale Migration für immer geschlossen ist."

50.000 Flüchtlinge kamen über den Balkan

Kern sagte mit Blick auf die Stärkung von Frontex, Merkel habe beklagt, dass trotz der Schließung der Balkanroute im Frühjahr immer noch 50.000 Menschen auf diesem Weg nach Deutschland gekommen seien. "Wenn wir diese Frontex-Operationen mit größerer Konsequenz in Zukunft durchführen werden, ist es natürlich klar, dass wir in der Peripherie Europas möglicherweise ein Problem bekommen."

Es werde dort einen Rückstau von Flüchtlingen geben, sodass man sich auf größere Zahlen einstellen müsse. Klar sei, dass man etwa Griechenland hier verstärkt helfen müsse, Asylverfahren zu beschleunigen. Zudem müsse eine Lösung für Afghanen und Pakistaner gefunden werden, die Griechenland nicht zurück in die Türkei abschieben wolle, da die Regierung in Athen den Nato-Partner nicht als sicher einstufe.

Merkel will neue Flüchtlingsdeals

Auch Merkel verlangte, die Rückführung von Menschen ohne Bleibereicht müsse funktionieren. Daher sei es notwendig, nach dem Türkei-Deal weitere Abkommen mit afrikanischen Ländern, aber auch mit Pakistan und Afghanistan möglichst schnell zu schließen. Es müsse klar sein, wer aus humanitärer Sicht nicht in Europa bleiben könne, der werde auch wieder in sein Heimatland zurückgebracht.

Sowohl Merkel als auch Kern hoben aber auch hervor, dass die Flüchtlingslage in Europa besser als vor einem Jahr sei. 2015 hatten täglich Tausende Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland das Mittelmeer überquert, um anschließend über die sogenannte Balkanroute in den Norden Europas zu gelangen. Rund eine Million Menschen kam im Vorjahr nach Europa, der Großteil davon waren Syrer, Iraker, Afghanen und Personen aus anderen Krisenländern.

Das Schließen der Balkanroute im Frühjahr und der Flüchtlingspakt der EU und der Türkei haben die Zahl der in Europa ankommenden Menschen drastisch verringert.