Mit zwei humanitären Aufnahmelagern will Paris die Versorgung von Flüchtlingen verbessern und die Entstehung weiterer wilder Camps verhindern. Seit Monaten bilden sich vor allem im Nordosten der französischen Hauptstadt immer wieder ungenehmigte Matratzen- und Zeltlager, in denen Menschen unter freiem Himmel kampieren. Das erste offizielle Zentrum soll Mitte Oktober im Norden von Paris öffnen und zunächst 400 Männer aufnehmen können, wie Bürgermeisterin Anne Hidalgo ankündigte.

Hidalgo hatte Ende Mai ein humanitäres Lager angekündigt, "auf das Paris stolz sein" werde, wie die Zeitung Le Monde schreibt. Weil die bestehenden Aufnahmemöglichkeiten ausgelastet seien, brauche es neue Einrichtungen, sagte die Sozialistin nun. Französische Behörden haben nach eigenen Angaben seit Juni 2015 etwa 15.000 Migranten von Pariser Straßen und aus Parks geholt und ihnen eine Unterkunft vermittelt.

Laut Le Monde soll die Errichtung des Lagers insgesamt 6,5 Millionen Euro kosten, den Großteil übernehme die Hauptstadt. Demnach soll das Lager in einem alten Bahndepot im 18. Arrondissement im Norden von Paris entstehen.

Hidalgo kündigte an, das Gebäude sei für die Aufnahme von mehreren Dutzend Personen gedacht, die "jeden Tag in der Stadt ankommen". Mit dieser neuen Anlaufstelle sollten Menschen davon abgehalten werden, in Paris wilde Zeltlager aufzuschlagen und unter schlechten Bedingungen zu campen. Das Lager nehme sich ein Beispiel an Zentren unter anderem in München und Saarbrücken, sei aber das erste in Europa, das mitten im dicht besiedelten Großstadtgebiet entstehe, twitterte die Bürgermeisterin.

Neuankömmlinge könnten dort dann bis zu zehn Tage bleiben, bevor sie auf andere Einrichtungen in ganz Frankreich verteilt werden und dort einen Asylantrag stellen können. Bis Ende des Jahres soll die Kapazität auf 600 Plätze wachsen. Zudem soll ein zweites Zentrum mit 350 Plätzen für Frauen und Familien im Vorort Ivry-sur-Seine geschaffen werden.

Die französische Regierung hatte vor Kurzem angekündigt, Tausende neue Plätze in Asylbewerberunterkünften im Land zu schaffen – auch, um letztlich das Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais auflösen zu können. Dort ist auf einem Brachland in der Nähe des Hafens ein Elendsviertel entstanden, Migranten versuchen, von dort illegal nach Großbritannien zu gelangen. 

Brand in geplanter Unterkunft

Auch in Frankreich gibt es teils gewaltsame Proteste gegen Flüchtlingsunterkünfte. Im Umland von Paris hatten gestern Abend nach Angaben des Radiosenders Europe1 etwa hundert Menschen vor dem Rathaus von Forges-les-Bains gegen ein geplantes Aufnahmezentrum demonstriert. Später in der Nacht brach ein Feuer aus, die Ermittler vermuten nach France3-Informationen Brandstiftung. Das Dach des frisch renovierten, noch unbewohnten Gebäudes sei zerstört worden. Es sollte ab Oktober etwa 90 Flüchtlinge aufnehmen.