Marine Le Pen hat sich zur Eröffnung des Wahlkampfes für die Präsidentenwahl in Frankreich als "Kandidatin des Volkes" präsentiert. "Ich möchte mit Ihnen über Frankreich sprechen, denn das ist das, was uns verbindet", sagte die 48-Jährige zum Abschluss eines Sommertreffens ihrer rechtsextremen Partei Front National (FN) in Fréjus.

Le Pen nutzte die Gelegenheit, um den Slogan des FN für das Wahljahr 2017 vorzustellen; er lautet "Au nom du peuple" (Im Namen des Volkes). "Wir möchten unsere Freiheit zurückhaben ... Wir wollen ein freies Frankreich, das Herr über seine eigenen Gesetze, Währung und Grenzen ist", so die Parteichefin.

Es müsse Schluss damit sein, dass "Brüssel, Berlin, Washington" die Entscheidungen für Frankreich träfen. Weder das Staatsgebiet noch die französische Identität seien derzeit noch gewährleistet, sagte Le Pen vor rund 3.000 Anhängern, von denen viele die französische Fahne schwenkten. "Es gibt keine Identität ohne Souveränität", sagte Le Pen, die sich laut Le Monde als eine Kandidatin aller Franzosen "jenseits unserer Meinungsunterschiede und Parteipräferenzen" zu inszenieren versuchte – ihre eigene Partei erwähnte sie mit keinem Wort.

Entdämonisierung und EU-Kritik

Marine Le Pen verfolgt seit Längerem eine Strategie der Entdämonisierung des FN, dessen Führung sie 2011 von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen übernahm. Umfragen zufolge hat sie gute Chancen, die Stichwahl im Mai 2017 zu erreichen. Die Kandidaten der beiden anderen großen Parteien, der Sozialisten und der Republikaner, stehen noch nicht fest. Sie werden in Urabstimmungen gewählt. Präsident François Hollande hat derzeit kaum Hoffnungen auf eine zweite Amtszeit: Der Sozialist erreicht in einer aktuellen Umfrage nur 11 bis 15 Prozent der Stimmen. 

Für den Fall, dass sie Präsidentin wird, hat Le Pen ein Referendum nach dem Brexit-Vorbild über Frankreichs Zukunft in der EU angekündigt. Damit grenzt sie sich zum Beispiel von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ab, der die EU-Mitgliedschaft nicht infrage stellt. Le Pen beklagte auch, dass die Franzosen nie zu ihrer Meinung über eine "Öffnung für die Massenmigration" gefragt worden seien. Sie sprach laut Le Monde von einer "Zuwanderungsreligion".