Großbritannien wird Anfang kommenden Jahres seine Erklärung zum Austritt aus der Europäischen Union (EU) einreichen. Das sagte der britische Außenminister Boris Johnson dem Fernsehsender Sky. "Wir reden mit unseren europäischen Freunden und Partnern in der Erwartung, dass es früh im nächsten Jahr einen Brief zu Artikel 50 geben wird", sagte Johnson. Die entsprechenden Maßnahmen würden in die Wege geleitet.

Bisher hat die nach dem Brexit-Votum neu gebildete Regierung in London den Austritt nach Artikel 50 des EU-Vertrages noch nicht erklärt. Über den Termin Anfang 2017 kursierten bislang nur Vermutungen, Premierministerin Theresa May hatte lediglich gesagt, die Erklärung werde nicht mehr in diesem Jahr erfolgen. 

Erst nach der Austrittserklärung können die auf zwei Jahre befristeten Verhandlungen über die Entflechtung der Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Block der 27 verbleibenden EU-Staaten beginnen. Johnson, einer der entschiedensten Verfechter des Brexit, vertrat die Auffassung, für die Verhandlungen nicht die vorgesehene Zeit zu benötigen. "Ich glaube nicht, dass wir unbedingt die vollen zwei Jahre verwenden müssen, aber wir werden sehen", sagte er.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hatte die britische Regierung zuvor aufgefordert, die Austrittsverhandlungen bis zur EU-Wahl Mitte 2019 abzuschließen. Schulz traf sich am Donnerstagabend in London mit Premierministerin Theresa May, um sich über den Stand der Brexit-Vorbereitung zu informieren.  Dabei warb der EU-Parlamentspräsident für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Großbritannien bei den anstehenden Verhandlungen. Das EU-Parlament sei allerdings "nicht der einfachste Partner", sagte Schulz weiter. May sagte, sie werde die offiziellen Gespräche nicht vor Jahreswechsel beginnen. Sie fügte hinzu: Großbritannien scheide zwar aus der EU aus, aber "wir verlassen nicht Europa."

Dass Großbritannien die Erklärung nach Artikel 50 des EU-Vertrages erst Anfang kommenden Jahres einreichen werde, war auf Seiten der EU bereits erwartet worden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kritisierte im Juli, er verstehe nicht, dass das Brexit-Lager für den Plan zum Austritt Großbritanniens aus der EU nun Monate benötige. Seine Mitarbeiter warteten auf die offizielle Bekanntgabe des Austrittsbegehrens. 

Trotz des bevorstehenden Brexit zeigte sich Juncker nach dem EU-Gipfel in Bratislava in der vergangenen Woche optimistisch: Die 27 EU-Chefs hätten deutlich gemacht, dass es für die EU auch nach dem Brexit weitergehe. "Solange Großbritannien noch mit am Tisch sitzt, kann es natürlich gerne mitessen, aber wenn es lieber Diät macht, lassen wir uns davon unseren Appetit sicher nicht verderben", sagte Juncker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Briten hatten in einem Referendum am 23. Juni für den Austritt ihres Landes aus der EU gestimmt. Nach dem Votum war David Cameron als Premierminister Großbritannien zurückgetreten und seine Nachfolgerin Theresa May hat eine neue Regierung ernannt.