Mehr als ein Drittel der Luftangriffe Saudi-Arabiens im Jemen treffen dem Guardian zufolge zivile Einrichtung wie Schulen, Krankenhäuser und Moscheen. Das berichtet die britische Zeitung unter Berufung auf eine neue Studie des Yemen Data Project, einer Gruppe von Wissenschaftlern und Menschenrechtlern.

Seit März 2015 zählt die Studie insgesamt 8.600 saudische Luftschläge. 3.158 Angriffe davon trafen demnach nichtmilitärische Einrichtungen, lediglich in 3.577 Fällen könne mit Sicherheit von militärischen Zielen ausgegangen werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der Luftangriffe mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen 3.799 Zivilisten.

Die saudische Führung wies die Zahlen zurück und erklärte, die Rebellen hätten zivile Einrichtungen wie Schulen in Kommandozentralen und Waffenlager umgewandelt.

Im Jemen kämpft die international anerkannte Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi mit Unterstützung Saudi-Arabiens und anderer Alliierter gegen die Huthi-Rebellen, die ihrerseits von Verbündeten des früheren Staatschefs Ali Abdullah Salih und dem Iran unterstützt werden. Die Huthis haben seit September 2014 die Hauptstadt Sanaa unter ihrer Kontrolle.

Druck auf westliche Staaten wächst

Die aktuellen Zahlen des Yemen Data Project rücken die Beteiligung Großbritanniens und der USA im Jemen-Krieg erneut in den Fokus. Zwar betont die britische Regierung, nicht Teil der Koalition um Saudi-Arabien zu sein. Allerdings unterstützen sowohl London als auch Washington die Militärkoalition – das aber mit dem Anspruch, zivile Opfer zu vermeiden. Das britische Verteidigungsministerium biete sogar Trainings für die saudische Luftwaffe an, berichtet der Guardian

Saudi-Arabien ist noch immer der weltweit größte Importeur von Waffen und militärischer Ausrüstung. Laut dem Branchendienst Jane's wurden im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von rund 9,3 Milliarden US-Dollar in das islamische Königreich geliefert.

Hinter den USA und Russland war Deutschland im vergangenen Jahr mit einem Exportwert von 4,2 Milliarden Euro der drittgrößte Waffenexporteur weltweit. Wichtigste Abnehmer waren Länder in Nahost und Nordafrika – vor allem Saudi-Arabien.