EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, ein europäisches Flüchtlingsabkommen mit Ägypten auszuhandeln. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er: "Diesen Weg müssen wir einschlagen." Der Schutz der Flüchtlinge und die Bekämpfung der Schleuser müssten dabei im Vordergrund stehen, so Schulz. Er wies darauf hin, dass Ägypten in der Flüchtlingsfrage Verantwortung trage. Es gehe nicht, finanzielle Hilfe wie einen Kredit des Internationalen Währungsfonds in Anspruch zu nehmen, sich aber einer Zusammenarbeit in der Migrationsfrage zu verweigern, sagte er.

Mit Verweis auf das EU-Türkei-Abkommen sagte er, eine Zusammenarbeit sei möglich, ohne eigene Prinzipien aufzugeben. Das im März geschlossene Abkommen sieht vor, dass die Türkei Bootsflüchtlinge aus der Ägäis zurücknimmt.

In der EU und in der Bundesregierung wächst die Sorge, dass künftig aus Ägypten viel mehr Flüchtlinge kommen könnten – vor allem, wenn die wirtschaftliche Lage unter den 92 Millionen Einwohnern sich weiter verschlechtert.

Am Mittwoch kenterte ein Boot mit 600 Menschen an Bord vor der ägyptischen Küste, viele konnten nicht gerettet werden. Ägypten hat sich nach Libyen zum zweitwichtigsten Ausgangsland für Migranten entwickelt, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Jeder Zehnte beginnt seine Reise hier, berichtete die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf die Bundesregierung.