Die Türkei will bei ihrem Militäreinsatz in Syrien eine 5.000 Quadratkilometer große Sicherheitszone schaffen. Das kündigte Präsident Recep Tayyip Erdoğan an. Bislang hätten die türkischen Truppen im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) ein 900 Quadratkilometer großes Gebiet "von Terroristen gesäubert".

Erdoğan kündigte auch eine neue Offensive der Armee an. Nach der Eroberung von Dscharabulus und Al-Rai würden die Kräfte nun in Richtung der vom IS kontrollierten Stadt Al-Bab weiter südlich konzentriert werden. Die Offensive werde so lange dauern, bis von dem Gebiet keine Gefahr mehr für die Türkei ausgehe.

Das türkische Militär hatte Ende August in den Syrien-Konflikt eingegriffen. Die Offensive Schutzschild Euphrat richtet sich neben dem IS auch gegen die mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbündeten kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG. Die türkische Regierung will die YPG-Miliz daran hindern, weitere Gebiete an der türkischen Grenze unter ihre Kontrolle zu bringen.

Während das verstärkte Vorgehen der Türkei gegen die Islamisten vom Westen begrüßt wurde, belastet der Kampf der türkischen Armee gegen die kurdische YPG-Miliz insbesondere das Verhältnis zum Nato-Partner USA. Deren Regierung unterstützt die Kurden als wichtigen Verbündeten gegen den IS.

Erdoğan setzt sich schon länger für die Einrichtung einer Sicherheitszone im Norden Syriens ein, die mit einer Flugverbotszone durchgesetzt werden soll. Damit ist auch die Hoffnung verbunden, dass dann einige der 2,5 Millionen syrischer Flüchtlinge aus der Türkei in das Nachbarland zurückkehren können.

Russland kritisiert die USA

Eigentlich gilt seit einigen Tagen eine Feuerpause in Syrien, die aber wegen zahlreicher Verstöße und starker Differenzen zwischen den USA und Russland kurz vor dem Scheitern steht. Es sei bedeutungslos, ob syrische Regierungstruppen die Waffenruhe einhielten, da die Rebellen ohnehin dagegen verstießen, teilte das russische Militär mit. Die syrische Opposition bezeichnete die Waffenruhe als "klinisch tot". Zudem seien in den von Aufständischen gehaltenen Gebieten keine Hilfslieferungen eingetroffen.

Russland warf den USA vor, die Waffenruhe nicht eingehalten zu haben. Hintergrund ist der Luftschlag der US-Koalition, bei dem am Wochenende mehr als 60 syrische Soldaten getötet worden waren. "Das gefährdet natürlich die Waffenruhe", sagte der Sprecher der russischen Regierung, Dmitri Peskow.

Am Wochenende war auch der von Rebellen gehaltene Ostteil von Aleppo wieder bombardiert worden. Bei Luftschlägen der syrischen Armee in der Provinz Homs wurden nach Angaben der rebellennahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte acht Menschen getötet.