Syrien - Luftangriffe auf Aleppo trotz Waffenruhe Ein Rebellenkommandeur bezeichnet die Feuerpause in Syrien als praktisch gescheitert. Zuvor hatte es Luftangriffe auf die Städte Homs und Aleppo gegeben.

Die in Syrien zwischen Regime und Rebellen vereinbarte Feuerpause wird immer brüchiger. Zum ersten Mal seit einer Woche habe es wieder Luftangriffe auf den von Rebellen kontrollierten Ostteil der nordsyrischen Stadt Aleppo gegeben, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Außerdem seien bei einem Luftangriff in der Provinz Homs mindestens acht Menschen getötet worden.

Die Waffenruhe war am Montagabend vergangener Woche in Kraft getreten. Nach sieben Tagen sollte eigentlich die nächste Stufe der Vereinbarung zwischen den USA und Russland umgesetzt werden. Diese sieht vor, dass beide gemeinsam und koordiniert gegen Terrorgruppen wie etwa den "Islamischen Staat" (IS) vorgehen.

Auch die Türkei greift weiter in den Konflikt ein. Die türkische Luftwaffe griff IS-Stellungen in Nordsyrien an. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf Armeequellen, drei IS-Ziele seien in der Gegend um die Orte Baraghitah und Sandarah zerstört worden. Bombardiert worden seien unter anderem das mutmaßliche IS-Hauptquartier in dieser Region und ein Munitionsdepot.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte es am Sonntag in der Nähe von Al-Rai heftige Kämpfe zwischen syrischen Rebellen und IS-Anhängern gegeben. Die Rebellen seien weiter vorgerückt, teilte die Beobachtungsstelle mit. Insgesamt hätten sie seit Samstag sieben Dörfer eingenommen.

Oppositionelle kritisieren Nichteinhaltung der Waffenruhe

Rebellenkommandeur Sakaria Malahifdschi sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Waffenruhe sei "praktisch gescheitert und am Ende". Er habe auch keine Hoffnung, dass die für Aleppo bestimmten Hilfsgüter die belagerte Stadt noch erreichen könnten. Zudem deutete er an, dass die Aufständischen die Kämpfe wiederaufnehmen könnten: "Ich kann mir vorstellen, dass die Gruppen in nächster Zukunft handeln."

Nach Ansicht des führenden syrischen Regimegegners George Sabra ist die Waffenruhe eine "große Lüge", sie sei "klinisch tot". Die Feuerpause habe nicht gehalten und ihr Ziel verfehlt, humanitäre Hilfe zu notleidenden Menschen zu bringen, sagte er. "Für uns war es Zeitverschwendung."

Hilfslieferungen kommen nicht durch

Während der Feuerpause sollten zwei Konvois Lebensmittel nach Aleppo bringen, wo im Osten der Stadt bis zu 275.000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten sind. Die Lastwagen hängen jedoch an der türkisch-syrischen Grenze fest. Der für humanitäre Hilfe zuständige UN-Vertreter Stephen O'Brian zeigte sich enttäuscht. Den UN zufolge hat die syrische Regierung weder Sicherheitsgarantien gegeben noch Genehmigungen für eine Weiterreise erteilt. Die humanitäre Hilfe ist ein zentraler Bestandteil der Waffenruhe.

Die USA und Russland hatten sich vor etwa einer Woche auf ein Ende der Kämpfe in dem seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Bürgerkrieg verständigt. Dies galt als Chance zur Versorgung der Bevölkerung und für Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden. In den vergangenen Tagen hatten sich Regime und Rebellengruppen gegenseitig einen Bruch der Feuerpause vorgeworfen. Zudem wurde sie von einem Luftangriff der US-Allianz belastet, bei dem zahlreiche syrische Soldaten ums Leben kamen.