Die syrische Armee hat die Waffenruhe für das Bürgerkriegsland für beendet erklärt. "Bewaffnete terroristische Gruppen" hätten sich nicht an die Umsetzung der Abmachung gehalten, teilte die Armeeführung nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana mit. In verschiedenen Gebieten habe es mehr als 300 Verstöße gegen die Waffenruhe gegeben, die am vergangenen Montag in Kraft getreten war. 

Die Rebellen hätten die Feuerpause ausgenutzt, um sich zu mobilisieren und zu bewaffnen, während sie Gebiete unter Kontrolle der Regierung angegriffen hätten, sagte ein Sprecher des syrischen Militärs. Die Rebellen hätten damit eine "echte Chance" vergeben, das Blutvergießen zu stoppen. Aktivisten und Rebellengruppen wiederum haben die Regierung beschuldigt, die Waffenruhe verletzt zu haben. Die Vereinten Nationen warfen ihr vor, Hilfslieferungen blockiert zu haben. Diese waren ein wichtiger Teil des Waffenruhe-Abkommens.

Das von den USA und Russland vermittelte Abkommen war wiederholt gebrochen worden. Am Wochenende wurden bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition auf syrische Truppen im Osten des Landes mehr als 60 Soldaten getötet. Die US-Regierung äußerte ihr Bedauern und sprach von einem Irrtum. Assad kritisierte den Angriff jedoch als "offene amerikanische Aggression", die der IS-Terrormiliz diene. Immer wenn Syrien Fortschritte im Kampf gegen den Terror erziele, wachse die Unterstützung der "feindlichen Staaten" für terroristische Organisationen, sagte Assad.

Die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Montag weitere Luftangriffe in mehreren Regionen. Vor allem die von den Aufständischen gehaltenen Stadtteile von Aleppo seien bombardiert worden. Auch die Kämpfe zwischen Armee und Rebellen im Osten von Damaskus seien weitergegangen. Syriens Regime bezeichnet generell alle Gegner als Terroristen, auch gemäßigte.

Laut Opposition ist die Waffenruhe "große Lüge"

Russland wiederum erhob Vorwürfe gegen die USA. Sie hätten keine der ausgehandelten Vereinbarungen eingehalten, teilte Generalleutnant Sergej Rudskoi vom russischen Generalstab mit. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow sei die syrische Armee die einzige Partei, die sich daran gehalten habe.

Die syrische Opposition hat der Regierungsarmee die Schuld am Scheitern der Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland gegeben. Das Regime habe die Feuerpause mehr als 250 Mal verletzt und ständig Truppen verlegt, sagte Mohammed Allusch, Führungsmitglied der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam. "Ich habe von Anfang an gesagt, dass sich das Regime nicht an die Waffenruhe halten wird." Allusch gehörte bei den mittlerweile ausgesetzten Genfer Friedensgesprächen zu den führenden Vertretern der Opposition.

Der Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees der Opposition (HNC), Salim Muslit, erklärte über Twitter, das Regime habe UN-Hilfe für Notleidende in den belagerten Rebellengebieten der nordsyrischen Stadt Aleppo verweigert. Dadurch sei die Waffenruhe sinnlos geworden. Der führende syrische Oppositionelle Georges Sabra nannte die Waffenruhe eine "große Lüge". Sie habe ihr Ziel verfehlt, humanitäre Hilfe zu notleidenden Menschen zu bringen.

Hoffnung, dass die Waffenruhe noch gerettet werden kann, hat hingegen der US-amerikanische Außenminister John Kerry. Zwar sei die Gewalt in Syrien nicht wie gewünscht zurückgegangen, immerhin wären inzwischen aber Hilfslieferungen unterwegs, sagte er. Kerry kritisierte außerdem die Armee für das Beenden der Waffenruhe und machte Russland zum Teil dafür verantwortlich. Es sei an der Zeit, die Effekthascherei zu beenden und sich an die Arbeit zu machen.