Nach der Festnahme zweier Autoren in der Türkei hat der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan scharf kritisiert. "Die Gedankenfreiheit existiert nicht mehr. Wir bewegen uns mit großer Geschwindigkeit von einem Rechtsstaat zu einem Terrorregime", schrieb Pamuk in der italienischen Zeitung La Repubblica.

"Ich bin voller Wut und äußere meine schärfste Kritik an der Festnahme des Schriftsteller Ahmet Altan, einer der wichtigsten Federn des türkischen Journalismus, und seines Bruder Mehmet Altan, einem renommierten Akademiker und Ökonomen." In der Türkei würden nach und nach alle, die das Handeln der Regierung kritisierten, eingesperrt, schrieb Pamuk.

Festnahme von Ahmet und Mehmet Altan

Der Schriftsteller reagierte damit auf die Festnahme der beiden Brüder Ahmet und Mehmet Altan am Samstag in Istanbul. Medienberichten zufolge stehen die Ermittlungen gegen sie im Zusammenhang mit dem Putschversuch vom 15. Juli, für den die Regierung den islamischen Prediger Fethullah Gülen verantwortlich macht. Es gehe um Äußerungen der Brüder in einem der Gülen-Bewegung nahestehenden Sender am Vorabend des Putsches.

Ahmet Altan ist einer der bekanntesten Journalisten der Türkei. Er arbeitete viele Jahre lang als Kolumnist für Zeitungen wie Hürriyet und Milliyet. Im Jahr 2007 gründete er seine eigene Zeitung Taraf. Bis 2012 war er Chefredakteur des regierungskritischen Blatts, das inzwischen geschlossen wurde. Er hat zudem mehrere Romane geschrieben. Sein Bruder Mehmet ist Autor mehrerer politischer Bücher.

Die Regierung geht seit dem gescheiterten Umsturzversuch massiv gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger und Einrichtungen des islamischen Predigers in der Türkei vor. Zehntausende Mitarbeiter von Armee, Polizei, Justiz und Regierung sowie Lehrer, Dozenten und Journalisten wurden festgenommen, ihrer Posten enthoben oder versetzt. Gülen selbst verurteilte den Putschversuch scharf und bestritt jede Verwicklung.

Zahlreiche Bürgermeister abgesetzt

Unterdessen setzte die Regierung auch 24 Bürgermeister im Südosten des Landes unter dem Vorwurf ab, Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu unterhalten. Vier weitere Bürgermeister wurden ihrer Posten enthoben, weil sie verdächtigt werden, der Gülen-Bewegung anzugehören. Sie seien durch vom Staat ernannte Beamte ersetzt worden, teilte das Innenministerium am Sonntag mit.

Betroffen sind vorwiegend Politiker der prokurdischen HDP. Die Oppositionspartei verurteilte das Vorgehen gegen die 2014 gewählten Bürgermeister als "Putsch". Innenminister Süleyman Soylu erklärte hingegen, es dürfe nicht zugelassen werden, dass "Terroristen" das Sagen in den Rathäusern hätten. Betroffen sind etwa die Bürgermeister der Städte Silvan, Batman, Hakkâri und der Ortschaft Nusaybin an der Grenze zu Syrien.