Ich lebe in Manhattan auf der Upper East Side, nur einen Block vom East River entfernt. Ich liebe es, im Morgengrauen an den Fluss zu gehen und der Sonne zuzuschauen, wie sich ihr rötliches Licht im Wasser bricht. Ich sitze auf einer Bank, rauche ein, zwei Zigaretten und genieße den Ausblick. Um mich herum sind noch ein paar andere Upper-East-Sider, die aber nicht rauchen und nicht sitzen. Einige joggen, andere führen ihre Hunde aus, und der Rest kombiniert beides: Joggen mit Hund. Wobei der durchschnittliche Hund auf der Upper East Side, der Bastion des liberalen Amerikas, mehr kostet, als man woanders im ganzen Jahr verdient. Eines Tages, falls ich mal so reich werde wie die, kaufe ich mir auch einen Hund. Warum auch nicht?

Anders als ich bleiben die Leute aus meiner Nachbarschaft nicht lange am Flussufer. Es sind sehr beschäftigte Leute, und die können es sich nicht leisten, einfach nichts zu tun. Zeit ist Geld, sagen sie, und für einen Sonnenaufgang wollen sie es nicht verschwenden. Stattdessen gehen sie nach Hause, machen sich glutenfreie Brote, trinken ungesüßten Kaffee mit Mandelmilch, nehmen ein paar Vitamine, schlucken noch die ein oder andere Energy-Pille und lesen die New York Times. Und was liest man so in der New York Times? Also, in diesen Tagen sind die Seiten voll mit  Horrorgeschichten über Donald Trump. Donald hat hier einen dummen Vorschlag gemacht, Donald hat sich dort rassistisch geäußert; Donald hat Unsinn getweetet, Donald hat Hass getweetet, Donald hat dieses Böse und jenes Üble getan; Donald ist schlecht für die Seele, und Donald ist schlecht für die Gesundheit. Aber keine Sorge, Donald hat nur eine 13-prozentige Chance auf einen Wahlsieg, Hillary dagegen hat 87 Prozent.

Sonnenaufgang über dem East River © Tuvia Tenenbom

Aber ich interessiere mich zu so früher Stunde nicht für Donald Trump, oder "The Donald", wie man hier sagt. Der kann tun und lassen, was er will. Ich sehe der Sonne dabei zu, wie sie sich langsam gelb färbt, was ein durchaus faszinierendes Erlebnis ist, und beschließe außer Haus zu frühstücken. Falls es Sie interessiert: Ich esse Gluten, nehme keine Energiepillen, mag süßen Kaffee und kann Mandelmilch nicht ausstehen.

Als die Hitze zunimmt  – es ist ein ziemlich heißer Sommer in New York – stehe ich auf und gehe ein bisschen zu Fuß. Ich komme nicht weiter als bis zu Starbucks; dann ist es mir zu warm, um weiter zu gehen. Ich bestelle ein kleines Sandwich mit Ei, eine durchaus kostspielige Investition, und setze mich, um es zu verzehren.

Wie die meisten Menschen hier schalte auch ich mein device ein – in meinem Fall ein iPhone – und surfe während des Essens. Doch anders als die anderen gelange ich auf die Seite von Fox News. In diesem Teil der Welt bin ich damit wohl der letzte Mohikaner. Denn hier liest niemand Fox News.

Nur ich.

Normalerweise bin ich kein Fox-News-Leser. Genau wie meine Nachbarn besitze ich ein Abonnement der New York Times. Nur, dass sich die New York Times dieser Tage weniger wie eine Zeitung und mehr wie eine Imagebroschüre der Hillary-Clinton-Kampagne liest. Damit habe ich ein bisschen ein Problem.