Russland bestreitet, in die Zerstörung eines Hilfskonvois in Syrien verwickelt zu sein. Der Angriff sei nicht vom russischen oder syrischen Militär ausgegangen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. "Wir haben Videoaufzeichnungen geprüft und keine Anzeichen festgestellt, dass die Wagenkolonne von Munition – welcher Art auch immer – getroffen wurde. Zu sehen sind keine Bombentrichter, die Wagen weisen keine Schäden durch eine Druckwelle auf. Alles, was wir im Video gesehen haben, ist eine direkte Folge eines Brandes", sagte Konaschenkow.

Noch ist unklar, wer für den Angriff auf den Konvoi westlich von Aleppo verantwortlich ist. Die Vereinten Nationen stoppten indes alle Hilfsgütertransporte in dem Bürgerkriegsland. Vor einer Entscheidung über die Wiederaufnahme der Hilfe für Zehntausende Syrer müsse die Sicherheitslage der UN-Mitarbeiter geprüft werden, teilte das UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) mit. 

Der Sprecher des Büros, Jens Laerke, sagte ZEIT ONLINE, dass Mitarbeiter der Vereinten Nationen im Land bleiben werden. Ausgeliefert werde zunächst aber nichts.

Der Konvoi war in dem Ort Orem al-Kubra angegriffen worden, als Personal Waren in die Fahrzeuge lud. Bislang war von einem Bombenangriff die Rede. Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz wurden bei dem Angriff 20 Menschen getötet. Unter ihnen war auch ein Mitarbeiter des syrischen Roten Halbmonds. Außerdem seien mehrere Zivilisten getötet oder verletzt worden.

Die Lastwagen gehörten zu einem Konvoi von insgesamt 31 Fahrzeugen der UN sowie des Roten Halbmonds, die 78.000 Menschen versorgen wollten. Mindestens 18 Lkw wurden beschädigt. Sollte sich herausstellen, dass sich die Attacke gezielt gegen Helfer richtete, werde das als Kriegsverbrechen gewertet, sagte der Chef der UN-Hilfseinsätze, Stephen O'Brien.

Unter dem Eindruck des Luftangriffs und der von der syrischen Armee als beendet erklärten Waffenruhe soll die internationale Syrien-Unterstützergruppe am heutigen Dienstag zu Beratungen zusammenkommen. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist in New York. Vor Beginn des Treffens verurteilte er den Angriff "auf das Allerschärfste". Es sei "ein abscheuliche, eine terroristische Tat", sagte Steinmeier. Er zeigte sich skeptisch, ob die am Montag von der syrischen Armee aufgekündigte Waffenruhe wiederhergestellt werden kann.

Das Treffen der Unterstützergruppe in New York fand einen Tag vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu Syrien statt, an der auch die Außenminister der USA und Russlands, John Kerry und Sergej Lawrow, teilnehmen wollen.

Die USA forderten Russland auf, sich mehr für die Feuerpause einzusetzen. Sprecher des US-Außenministeriums signalisierten Bereitschaft, die Waffenruhe auszudehnen. Die russische Regierung müsse stärker ihren Zusagen nachkommen und auf Syrien einwirken. Russland sieht derweil kaum Chancen für eine rasche Erneuerung der Waffenruhe. Die Lage sei extrem angespannt und löse Besorgnis aus, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Er machte die USA dafür verantwortlich, dass der gesamte Friedensprozess in Syrien in Gefahr sei. Damit die Waffenruhe doch noch gerettet werden könne, müssten die Angriffe von Rebellen auf die syrische Armee aufhören. "Und natürlich würde es nicht schaden, wenn unsere amerikanischen Kollegen nicht versehentlich Syrer bombardieren würden."

Aleppo - Vereinte Nationen verurteilen Luftschlag auf Hilfskonvoi Der UN-Diplomat Staffan de Mistura hat sich bestürzt über die Bombardierung von Lastwagen mit Hilfsgütern geäußert. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte macht das russische oder syrische Militär verantwortlich – demnach gab es 12 Tote. © Foto: Mahmoud Taha/AFP/Getty Images