Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán plädiert dafür, mehr als eine Million Flüchtlinge aus Europa abzuschieben und sie in großen Flüchtlingslagern außerhalb der EU unterzubringen. "Alle, die illegal gekommen sind, sollte man einsammeln und wegbringen. Aber nicht in andere (EU-)Länder, sondern in Gebiete außerhalb der EU", sagte der rechtskonservative Politiker dem ungarischen Nachrichtenportal Origo.

Außerhalb der EU sollte man "von bewaffneten EU-Kräften gesicherte, mit EU-Geld finanzierte große Flüchtlingslager" errichten, sagte Orbán. Die Betroffenen sollten dort Asylanträge stellen können und erst dann weitergelassen werden, wenn sie ein EU-Land aufnehme. "Bis dahin müssen sie sich aber in den großen, außerhalb der EU gelegenen Lagern aufhalten", sagte Orbán. "Es kann eine Insel sein oder irgendein Abschnitt der nordafrikanischen Küste."

Viktor Orbán verfolgt in Ungarn eine strikte Politik der Abschottung gegenüber Flüchtlingen. Seit einem Jahr steht an den Grenzen zu Serbien und Kroatien ein Zaun mit Stacheldraht. Die Grenzanlage soll außerdem bald durch eine Mauer ergänzt werden. "Die technischen Pläne sind in Arbeit, zum gegenwärtigen Zaun wird eine ernsthaftere technische Anlage kommen", sagte der ungarische Regierungschef im August im staatlichen Rundfunk. "Diese wird gegebenenfalls auch mehrere Hunderttausend Menschen auf einmal aufhalten können."

Als erstes europäisches Land hatte Ungarn im vergangenen Herbst seine Grenzen für Flüchtlinge geschlossen. Am 2. Oktober findet auf Initiative der Regierung ein Referendum statt, bei dem die Bürger über EU-Quoten zur Verteilung von Asylbewerbern auf die Mitgliedsländer abstimmen sollen.