Acht Wochen bevor die Amerikaner entscheiden, wer Barack Obama im Weißen Haus ablösen soll, sackt die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten auf einer Gedenkfeier zum 11. September zusammen und die Welt hält den Atem an. Dass ihre Ärztin kurz darauf öffentlich macht, Hillary Clinton habe nur eine leichte Lungenentzündung, beruhigt die Gemüter nur wenig. Ihr Kontrahent Donald Trump hatte seit Wochen Spekulationen um Clintons Gesundheitszustand angeheizt, der Vorfall am Ground Zero scheint nun die kruden Thesen im Nachhinein zu legitimieren.

Kranksein ist menschlich, und eine leichte Lungenentzündung kann rasch wieder abklingen. Dennoch erinnert Clintons Krankheit die Amerikaner daran, dass sie im November die Wahl haben zwischen zwei Kandidaten im Rentenalter.

Unabhängig von konkreten Wehwehchen: Was würde passieren, fiele einer der Bewerber um das mächtigste Amt der Welt kurzfristig aus? Ein Autounfall, ein Herzinfarkt oder ein plötzlicher Rücktritt – den Beobachter Trump ja immer noch zutrauen, falls seine Niederlage unabwendbar erscheint – das alles ändert jedenfalls nichts am Wahltermin. Wer aber tritt an, wenn eine Partei ihren demokratisch gewählten Kandidaten verliert?

Einen Automatismus gibt es nicht

Der Platz auf den Wahllisten, die von den Bundesstaaten verwaltet werden, gehört keiner Person, sondern der Partei. An dieser liegt es also im Falle des Falles, ihren Kandidaten zu ersetzen. Je nachdem, wie viel Zeit vor dem Wahltermin bleibt, würde der jeweilige Parteivorsitzende eine außerordentliche Sitzung des national committee, eine Art kleinen Parteitag, veranlassen. Diese Gremien, bei den Demokraten das Democratic National Committee (DNC), bei den Republikanern das Republican National Committee (RNC), müssten dann einen neuen Kandidaten wählen.

Ein automatisches Nachrücken der anderen Vorwahlbewerber gibt es nicht, die Vizepräsidentschaftsbewerber werden entsprechend dem 20. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten erst nach der Amtseinführung relevant. Die Komitees haben freie Wahl, würden aber vermutlich ein bekanntes Gesicht der Partei nachnominieren.

Die Möglichkeit, einen Präsidentschaftskandidaten gegen seinen Willen vor der Wahl auszutauschen, haben die Parteien allerdings nicht – das Establishment der Republikaner hätte diesen Weg sonst womöglich längst genutzt. Damit ein neuer Präsidentschaftsbewerber bestimmt werden kann, müsste der gewählte Kandidat freiwillig zurücktreten.

Auch nach der Wahl haben es die Parteien in der Hand

Sollte ein Kandidat so kurz vor dem Wahltag ausfallen, dass die Bestimmung eines neuen Kandidaten nicht mehr möglich wäre, könnte eine Verschiebung der Wahl in Betracht gezogen werden. Dazu wäre eine Mehrheit im Kongress notwendig. Zwar besitzt dieser durch die Verfassung nicht ausdrücklich das Recht, den Wahltag zu verlegen, doch er kann im Falle besonderer Umstände ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Aktuell besitzen die Republikaner die absolute Mehrheit in beiden Abgeordnetenhäusern des Kongresses.

Zwischen Wahltag und Amtseinführung liegen in den USA rund zwei Monate. Für den Fall, dass ein Kandidat ausfällt, nachdem er die Wahl gewonnen hat, aber bevor das Gremium der Wahlmänner und Wahlfrauen zusammengekommen ist, sieht das amerikanische Wahlrecht keine Neuwahlen vor. Stattdessen können sich die Wahlmänner und -frauen, die ursprünglich für den ausfallenden Kandidaten gewählt wurden, auf einen neuen Kandidaten einigen. Auch in diesem Szenario liegt es am jeweiligen Komitee der Partei, diesen neuen Kandidaten zu bestimmen.