USA - Trump macht US-Einwanderungssystem für Anschläge verantwortlich Nach den Bombenanschlägen in New York und New Jersey hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump das "extrem offene Einwanderungssystem" der USA für derartige Angriffe verantwortlich gemacht. © Foto: AFP-TV

Der mutmaßliche Bombenleger von New York und New Jersey ist noch nicht angeklagt, als die US-Wahlkämpfer bereits um die Deutungshoheit der Vorfälle ringen. Sieben Wochen vor der Wahl ist für Hillary Clinton und Donald Trump jeder öffentliche Auftritt eine Bewährungsprobe – gerade, wenn sich die Bürger des Landes von einem möglichen Terrorangriff bedroht fühlen.

Während US-Präsident Barack Obama und Gouverneur Andrew Cuomo sich zurückhalten und versuchen, die Bevölkerung nicht durch voreilige Schlussfolgerungen zu verunsichern, bringen sich die beiden Präsidentschaftskandidaten mit ihren Versionen der Ereignisse in die Diskussion um den Anschlag von Chelsea ein. Für Clinton ist es ein willkommenes Thema, die Diskussion um ihre Gesundheit zu beenden. Für Trump, um sein Lieblingsthema Einwanderung wieder in die Schlagzeilen zu bringen.

Mit drastischen Worten äußerte er sich schon am Montag im Nachrichtensender Fox: "Das ist etwas, das im ganzen Land vielleicht öfter passieren wird." Schließlich seien in den vergangenen Jahren "Tausende dieser Leute" in die USA eingereist.

Mithilfe knallharter Law and Order-Forderungen versucht der Milliardär die Stimmen verunsicherter Wähler zu gewinnen. Trump wiederholte nach den Vorfällen in New York und New Jersey seine Ankündigung, Personen aus dem Nahen Osten bei der Einreise in die USA extremen Kontrollen zu unterziehen. "Wir sollten sicherstellen, dass wir nur noch Leute ins Land lassen, die unser Land lieben", sagte er. "Es kann keine Sicherheitsüberprüfungen geben, ohne dass man sich die Ideologie anschaut." Wie genau dies überprüft werden soll, ließ er offen.

Kommen Trumps Attacken bei Wählern an?

Wenig später legte einer seiner Sprecher nah, dass Konkurrentin Hillary Clinton persönlich die Schuld für die angespannte Sicherheitslage trage. Schließlich habe sie 2011 als Außenministerin gemeinsam mit Obama entschieden, die amerikanischen Truppen endgültig aus dem Irak abzuziehen und dadurch den Aufstieg der Terrororganisation "Islamischer Staat" erst ermöglicht.

Wer führt in den Umfragen?

Während die Ermittler in New York jedem Hinweis auf eine mögliche Verbindung ins Ausland nachgehen, rückt Trump die Attacken in die Nähe des IS. Zudem warf er seiner Konkurrentin vor, mit den eigenen Anhängern härter umzugehen als mit IS-Terroristen. 

Ob die Auftritte bei den Wählern ankommen, ist unklar: Einwanderung und Grenzkontrollen sind ein großes Thema bei seinen potenziellen Unterstützern. Als Trump aber Mitte Juni versucht hatte, den Anschlag auf einen Nachtclub in Orlando für seinen Wahlkampf zu nutzen, stürzte er wenig später in den Umfragen ab. Zuletzt legte er aber wieder zu, was das Clinton-Lager nervös werden ließ.

"Lasst uns wachsam sein, aber nicht furchtsam"

Hillary Clinton wiederum gibt sich ähnlich wie Obama zurückhaltend staatstragend: "Lasst uns wachsam sein, aber nicht furchtsam", sagte sie. Trumps Rhetorik hingegen treibe den Terroristen willige Helfer in die Arme und spalte die amerikanische Gesellschaft. "Wir werden nicht eine ganze Religion verfolgen und damit dem IS in die Karten spielen", sagte Clinton. Vielmehr setze sie auf eine Zusammenarbeit von Technologieunternehmen mit den Sicherheitsbehörden, um Radikalisierung frühzeitig festzustellen.

Zugleich wies Clinton darauf hin, durchaus harte Entscheidungen fällen zu können: Sie sei die einzige Kandidatin im Rennen, die Erfahrung damit habe, Terroristen niederzuringen. Auch Clinton nutzt die Vorfälle für Attacken gegen Trump. Sie erinnerte daran, dass mehrere Sicherheitsexperten öffentlich Bedenken an der Befähigung des Republikaners zum Oberbefehlshaber geäußert hatten.

Clinton muss Anschein von Schwäche ausräumen

Allerdings zweifeln viele Amerikaner seit Langem an der Antiterrorpolitik Obamas und damit auch an Clintons Strategie. Zudem muss die demokratische Bewerberin den Anschein von Schwäche und Zaghaftigkeit ausräumen – das gilt umso mehr, nachdem sie gesundheitliche Probleme hatte.

Derweil prüfen die Ermittler, ob der mutmaßliche Täter überhaupt Kontakte zu einem Terrornetzwerk hatte, sich selbst radikalisierte oder Kontakt zu Fanatikern im Ausland hatte. Sicher ist, dass es sich um einen 28 Jahre alten US-Bürger mit afghanischen Wurzeln handelt, dessen Familie im Clinch mit Nachbarn lag.