ZEIT ONLINE: Senator Gregg, seit Wochen bereiten sich Hillary Clinton und Donald Trump auf ihr erstes TV-Wahlkampfduell an diesem Montag vor. Warum ist das Training so wichtig?

Judd Gregg: Die Vorbereitung soll die Kandidaten im Umgang mit ihren eigenen Antworten vertraut machen. Und wer sich mit den inhaltlichen Positionen und dem Stil seines Gegners auseinandersetzt, kann auch mögliche Konter antizipieren. Daraus entwickelt sich dann eine konkrete Strategie: Wann greifst du an? Wann hältst du ein Argument zurück, um es zu einem späteren Zeitpunkt einzusetzen?  Wann reizt du deine Redezeit aus, um deinem Gegner die Möglichkeit zur Antwort zu nehmen?

ZEIT ONLINE: Wie gewinnt man ein TV-Duell – mit Inhalten oder Showtalent?

Gregg: Die Debatte entscheidet, wer den Amerikanern sympathischer ist und den Eindruck erweckt, das Land mit fester Hand führen zu können. Dazu gehört auch die entsprechende körperliche Präsenz. Im Jahr 2000 verlor Al Gore die Debatte gegen George W. Bush, indem er plötzlich sein Podium verließ und sich vor Bush aufbaute. Er wollte ihn provozieren. Doch Bush reagierte ganz ruhig, er hat gelächelt und einfach die Fragen des Moderators beantwortet. Dadurch wirkte er viel souveräner – und hat die Debatte auf diese Weise gewonnen.

ZEIT ONLINE: Sie haben George W. Bush auf all seine TV-Debatten vorbereitet. Wie lief das Coaching ab?

Gregg: Bush hat viel Zeit in die Vorbereitung investiert. Im Jahr 2000 haben wir uns acht oder neun Mal zu Übungsduellen getroffen – meist auf seiner Ranch in Texas. Bush war damals noch Gouverneur, das politische Geschäft in Washington kannte er kaum. Sein Rivale Al Gore jedoch war schon seit 20 Jahren Teil dieses Betriebs. Wir mussten ihn deshalb erst einmal auf all die nationalen und internationalen Themen vorbereiten, mit denen er bis dahin kaum etwas zu tun hatte – vor allem im Bereich Außenpolitik. Am Ende hat sich unsere Arbeit ausgezahlt: Alle Fragen, die im TV-Duell auftauchten, hatten wir vorher geübt. Auch konnte keine von Al Gores Antworten Bush wirklich überraschen.

ZEIT ONLINE: Vier Jahre später trat Bush gegen John Kerry an. Wieder spielten Sie seinen demokratischen Gegner. Was war dieses Mal anders?

Gregg: Bush hatte zu diesem Zeitpunkt schon vier Jahre als Präsident hinter sich. Er kannte die meisten Themen nun besser als alle anderen, die während der Vorbereitung dabei waren. Deshalb ging es jetzt mehr darum, ihn auf Kerrys extrem aggressiven Stil vorzubereiten. Und auch die Themen waren andere: Unser Land befand sich im Jahr 2004 im Krieg. Die öffentliche Diskussion drehte sich fast ausschließlich um den Kampf im Irak und in Afghanistan. Wir mussten eine Antwort auf die Frage finden, wie man einen Staat während eines Krieges lenkt.