Die Vereinten Nationen wollen ihre Hilfslieferungen in Syrien wieder aufnehmen. Mehrere Konvois sollen bereits am Donnerstag dringend notwendige Güter in betroffene Regionen bringen, sagte der Sprecher des UN-Büros für Nothilfekoordinierung, Jens Laerke. Er sagte nicht, wohin genau geliefert werde, sondern nur, dass Aleppo nicht angefahren werde.

Die UN hatten die Lieferungen vorübergehend ausgesetzt, nachdem bei einem Angriff auf einen Hilfskonvoi am Montag etwa 20 Menschen getötet worden waren. 18 von 31 Lastwagen des Konvois mit Essen und Medikamenten waren zerstört worden. Die Lastwagen gehörten den UN sowie dem Roten Halbmond, sie sollten 78.000 Menschen versorgen.

Die USA machen Russland für den Angriff verantwortlich. Russische Kampfjets hätten den Konvoi attackiert, eine andere Erklärung ließen die Erkenntnisse des US-Geheimdienstes nicht zu. Die russische Regierung weist die Schuld allerdings von sich und gibt an, es habe überhaupt keinen Luftangriff gegeben. Ein Sprecher der UN sagte: "Wir sind nicht in der Lage festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Luftangriff gehandelt hat." Die UN hatten wie die USA zunächst von einer Bombardierung aus der Luft gesprochen. Trotz des Vorfalls hatten Russland und die USA angekündigt, ihre Bemühungen für eine Rettung der vereinbarten Waffenruhe in Syrien fortzusetzen.

Die UN haben unterdessen angekündigt, den Angriff selbst zu analysieren. Ban Ki Moon sagte im UN-Sicherheitsrat, er schaue sich Möglichkeiten an, "um diese und andere Gräueltaten gegen Zivilisten energisch zu untersuchen". Nach Ban Ki Moons Äußerungen kam es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen US-Außenminister John Kerry und dessen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow.

Kerry fühlt sich wie in einem "Paralleluniversum"

Kerry zeigte sich verärgert und drängte Lawrow dazu, die Verantwortung für den Angriff zu übernehmen. "Das hier ist ein Moment der Wahrheit für Präsident Putin und für Russland", sagte Kerry.

Lawrow wies dagegen erneut die Schuld von sich und sagte, der Angriff sei eine "inakzeptable Provokation" gewesen. "Ich denke, dass wir von emotionalen Reaktionen und sofortigen öffentlichen Kommentaren absehen sollten und stattdessen zuerst untersuchen und sehr professionell sein sollten", sagte der russische Außenminister. Es könne eine Reihe verschiedener Erklärungen für den Zwischenfall geben.

Als er Lawrow zugehört habe, habe er sich wie in einem "Paralleluniversum" gefühlt, sagte Kerry. Sichtlich aufgebracht sagte er, er sei die immer wieder wechselnden Darstellungen Russlands leid. "Das ist kein Scherz."

Der einzige Weg, das Vertrauen in eine Waffenruhe wiederherzustellen, bestehe darin, keine Flugzeuge mehr über den Schlüsselorten fliegen zu lassen und humanitäre Hilfe zurückzubringen, sagte Kerry. Auch Lawrow sprach sich für eine Wiederaufnahme der Waffenruhe aus: "Wir sind überzeugt, dass dies nur mit parallelen, synchronen Schritten aller Seiten möglich ist." Der UN-Sicherheitsrat hatte ursprünglich getagt, um die Waffenruhe offiziell zu verankern.

Die Angriffe in Syrien hören nicht auf

Ob die Bemühungen aber erfolgreich sind, ist fraglich. Am Mittwoch gab es im Norden des Landes unter anderem einen Luftangriff, der fünf medizinische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation tötete. Das teilte die in Paris ansässige Union of Medical Care and Relief (UOSSM) mit. Die Getöteten hätten zu einem Notfallteam gehört, das gerade im Einsatz gewesen sei.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem, dass mutmaßliche Luftangriffe der syrischen Regierung in der Stadt Aleppo und in der Provinz Idlib 23 Zivilisten getötet hätten. Es sei wahrscheinlich, dass die Opferzahl noch steige.