Nach Unterbrechung der russisch-syrischen Luftangriffe auf Aleppo weigern sich mehrere Rebellengruppen, aus der umkämpften syrischen Stadt abzuziehen. Dies käme einer Kapitulation gleich, sagte ein Sprecher der Fastakim-Gruppe in Aleppo. Auch ein Befehlshaber der Islamistengruppe Ahrar al-Scham kündigte die Fortsetzung des Kampfes an. In Aleppo gebe es keine Terroristen. Die Rebellen in Ost-Aleppo haben wiederholt erklärt, mit Al-Kaida verbündete Gruppen spielten in dem von ihnen gehaltenen Stadtgebiet keine Rolle.

Zwei Tage vor der angekündigten Feuerpause hatten Syrien und Russland die Luftangriffe auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos nach eigenen Angaben eingestellt, um Zivilisten und Rebellen das Verlassen der Stadt zu ermöglichen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte, die Angriffe seien um 10 Uhr Ortszeit gestoppt worden. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, nach heftigen Bombardements am frühen Morgen sei es ruhig geworden.

Allerdings hielten die Kämpfe zwischen Rebellen und syrischen Soldaten in der Altstadt Aleppos an, meldete die Beobachtungsstelle. Auch die Luftangriffe in der Region um Aleppo gingen demnach weiter. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar.

Schoigu sagte, das gebe die Gelegenheit, Korridore vorzubereiten, über die Zivilisten und Aufständische die umkämpfte Stadt verlassen könnten. Geplant seien sechs Routen, über die Zivilisten, Kranke und Verletzte sicher aus dem Kriegsgebiet gebracht werden sollen. Die Rebellen könnten mit ihren Waffen über zwei weitere Korridore ungehindert abziehen. Dazu würden die syrischen Truppen von der Front etwas zurückverlegt. Die eigentliche Feuerpause soll am Donnerstag für acht Stunden gelten. 

Schoigu appellierte an die Staaten, die Einfluss auf die Rebellen in Ost-Aleppo haben, deren Kommandeure zu überzeugen, die Waffen niederzulegen und die Stadt zu verlassen. In Genf würden Militärexperten am Mittwoch damit beginnen, eine Trennung zwischen Terroristen und der syrischen Opposition vorzunehmen.

Seit Wochen bombardieren russische und syrische Kampfflugzeuge Ost-Aleppo, um die Rebellen zu vertreiben. Hunderte Menschen sind dabei getötet worden.

Die Waffenruhe am Donnerstag sei "ausschließlich eine Demonstration des guten Willens des russischen Militärs", sagte ein Kreml-Sprecher. Die Maßnahme habe nichts mit der Kritik der westlichen Staaten zu tun. Die EU-Außenminister hatten die Bombardierung Aleppos durch Russland und Syrien bei ihrem Treffen am Montag in Luxemburg als mögliche Kriegsverbrechen verurteilt.