In Louisiana mache ich erst einmal Rast in einem kleinen Restaurant. Ich hoffe, dass Louisiana mich zu Amerikas Ehrenrettung kulinarisch positiv überraschen wird. In Louisiana, haben viele mir gesagt, verstehen die Menschen zu genießen und können gut kochen.

Die Kellnerin kommt an meinen Tisch und spricht mich an. O Herr aller Herren, ich habe keinen blassen Schimmer, was sie gesagt hat. Es gibt viele Akzente in den USA, und ich dachte, ich verstünde sie alle. Damit lag ich aber so was von daneben!

Ich versuche, ein Gespräch anzuknüpfen, nur um mein Ohr an diesen neuen Akzent zu gewöhnen.

Was ist das Beste in Louisiana?, frage ich die Bedienung. "Die bores."

Bores?

"Viele bores."

Das ist alles, was Sie hier haben, bores, Langweiler?

Jetzt hat sie keinen Schimmer, wovon ich spreche. Nach einer kleinen Weile der schieren Verwirrung und Amüsiertheit habe ich den Akzent endlich enträtselt. Bars hat sie gesagt, nicht bores. Nach weiteren zehn Minuten verstehen wir uns mühelos.

Bars.

Vor dem Fenster hängt ein großes Jesusschild. Ich habe auf dieser Reise mehr Jesusschilder gesehen, als ich zählen kann oder möchte, aber dieses hier ist anders. Da steht:

Dieser Text ist ein Auszug aus Tuvia Tenenboms neuem Buch "Allein unter Amerikanern", das im Suhrkamp Verlag erscheint. © Surhkamp Verlag

"Jesus
Es gibt Kraft
Wenn du nur
Seinen Namen sagst.
Danke, Jesus."

Das Essen kommt. Es ist frittiert, köstlich.

Danke, Jesus. Jemand in diesem Land weiß, wie man gut kocht. Halleluja!

Ich bin in Louisiana, wo es rund 15 Grad kühler ist als in Texas. Ich liebe Louisiana!

Und fahre weiter.

Irgendwo unterwegs, ich glaube der Ort heißt Pierre Part, sehe ich Menschen in Bootshäusern und halte an. Ich statte einem dieser Bootshäuser einen Besuch ab.

Die Eigentümerin, Pam, sitzt mit zwei Frauen, die sie zu Gast hat, auf ihrer Veranda.

"Mein Mann hat heute Morgen ein’ Hirsch erlegt; er war auf der Hirschjagd. Wir frieren die Jagdbeute ein und zerlegen sie dann", erzählt sie.

Ist der Hirsch schon in der Gefriertruhe?

"Nein. Er holt’n gerade. Er ist wieder auf Jagd diesen Nachmittag, um noch ein’ zu erlegen. Wir tun ihn in die Tiefkühltruhe und haben dann unser Fleisch fürs Jahr. Would y’all like some coffee?"

Würden wir.

Im Norden sagen sie "you guys". Im Süden "y’all".

Sind Sie eine stolze Amerikanerin?, frage ich Pam, während ich an ihrem amerikanischen Kaffee nippe.

"Sehr stolz! Für den Labor Day (Tag der Arbeit) hatten wir ein paar verwundete Kämpfer eingeladen. Manche ohne Beine. Sie wissen schon, dieses ferne faulige Land."

Irak?