Diplomatie war noch nie seine Stärke, daher kann es auch nicht verwundern, dass der britische Außenminister Boris Johnson angesichts der Gräueltaten im syrischen Aleppo einen ungewöhnlichen Aufruf gestartet hat. "Ich würde gerne Demonstrationen vor der russischen Botschaft sehen", sagte Johnson im britischen Parlament. Er frage sich: "Wo ist die Stoppt-den-Krieg-Koalition?"

Die Stadt Aleppo ist seit Wochen von der syrischen Armee belagert, Unterstützung erhält das Regime von Baschar al-Assad von der russischen Armee. Angesichts der Angriffe auf Aleppo erschöpften sich die "Vorräte der Entrüstung", sagte Johnson.

Die Lage ist seit Wochen verzweifelt: Jeder Vermittlungsversuch bei den Vereinten Nationen ist gescheitert, zuletzt hatten die USA auch ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause für Aleppo abgebrochen.

Die syrischen Regierungstruppen wollen die geteilte Stadt vollständig unter ihre Kontrolle bringen, die im Osten von Rebellen, darunter dschihadistische Milizen, kontrolliert wird. Schätzungen zufolge leben in Aleppo noch etwa 300.000 Menschen. Nahrungsmittel und Wasser gehen zur Neige, die Versorgung in Krankenhäusern kann kaum noch garantiert werden, nachdem diese zuletzt diverse Male von Bomben getroffen worden waren.

Johnson beschuldigt die russische Regierung auch, für den Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi mit mehr als 20 Toten im syrischen Aleppo verantwortlich zu sein. "Alle verfügbaren Hinweise deuten auf eine russische Verantwortung für die Gräueltat hin", sagte er im Londoner Unterhaus. Russland laufe Gefahr, wegen seiner Syrien-Politik zur Parianation der internationalen Gemeinschaft zu werden, sagte der britische Außenminister.

"Letztlich zählt das Wort Russlands bei Assad"

Auch die französische Regierung ging am gestrigen Montag in die Offensive: Die Angriffe seien Kriegsverbrechen, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault. Sein Land wolle den Internationalen Strafgerichtshof einschalten. 

Frankreichs Bemühungen um internationale Ermittlungen werden von Deutschland unterstützt. Man stehe hinter dem Vorstoß, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Es sei an Russland, mäßigend auf das syrische Regime einzuwirken. "Letztlich zählt das Wort Russlands bei Assad."

Dafür spricht auch, dass noch nicht klar ist, ob der Internationale Strafgerichtshof überhaupt in Syrien ermitteln darf, da das Land nicht Mitglied des Gremiums ist.