Wie die Dinge liegen, lässt sich nicht mehr ausschließen, dass Donald Trump am 8. November zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird. Das Undenkbare ist denkbar geworden: Ein pathologischer Lügner, eitler Narziss und windiger Geschäftsmann, ein politischer, vor allem weltpolitischer Einfaltspinsel, ein fahrig sabbelnder, selbstverliebter TV-Protz ohne Manieren und Moral könnte im Januar ins Weiße Haus einziehen.

Es gibt tausend gute Gründe, inständig zu hoffen, dass das nicht passiert. Der entscheidende Grund jedoch ist, dass ein Mann mit so wenig Selbstbeherrschung niemals in die Nähe des sprichwörtlichen Atomknopfes gelangen darf, dessen Betätigung zur Auslöschung der Menschheit führen kann.

Hillary Clinton ist nicht die Einzige, die sich in dieser Hinsicht Sorgen macht. Ein Mann, der sich von Tweets bis aufs Blut reizen lasse, dürfe seine Finger nirgendwo in der Nähe der Atomcodes haben, warnt sie immer wieder. Aber auch sein republikanischer Rivale Marco Rubio sagt, dass man die Codes nicht einem "erratischen Individuum" wie Trump anvertrauen dürfe.

Ein US-Militär trägt den Atomkoffer von Präsident Obama. ©REUTERS/Joshua Roberts

Atomcodes, in der Tat. Denn einen richtigen Atomknopf gibt es nicht. Was es gibt, ist eine 20 Kilo schwere schwarze Leder-Aktentasche, in den USA nuclear football genannt. Deren Inhalt erlaubt es dem amerikanischen Präsidenten im Ernstfall, von jedem Punkt der Erde aus den Einsatz von Atomwaffen zu befehlen.

Der "nuclear football" ist immer dabei

Wo immer er (oder sie) sich aufhält, trägt ihm eine Ordonnanz den football hinterher. Ein richtiger Atomknopf befindet sich darin nicht, stattdessen ein Schwarzbuch mit verschiedenen Vergeltungsoptionen, Lageplänen der US-Atomwaffenstandorte, einer 7,5 mal 12,5 Zoll großen Karte mit den Authentifizierungscodes und acht oder zehn Seiten Kommunikationsanweisungen.

Der Präsident selbst hat eine biscuit genannte Code-Karte ständig bei sich. Sie hat die Größe einer Kreditkarte, Jimmy Carter soll sie einmal mit Anzug zur Reinigung gegeben haben. Mit der Code-Karte identifiziert sich der Präsident, wenn er sich mit dem National Military Command Center im Pentagon in Verbindung setzt. Niemand kann ihn daran hindern, den Einsatz der 925 einsatzbereiten Sprengköpfe mit einer Sprengkraft von 17.000-mal Hiroshima anzuordnen oder einzelne Ziele und Zielgruppen aus einer "Speisekarte" möglicher Objekte auszuwählen. Mit einem einzigen Telefonanruf kann er einen Atombombenhagel über Länder und Erdteile niedergehen lassen. Im Falle eines Atomangriffs müsste er seine Entscheidung binnen wenigen Minuten fällen.

Niemand kann den Präsidenten hindern

Als Vizepräsident hat Dick Cheney das Entscheidungsrecht des Präsidenten einmal kühl beschrieben: "Er könnte einen Vernichtungsangriff starten, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Er braucht sich mit niemandem abzusprechen. Er muss nicht den Kongress anrufen. Er braucht nicht die Gerichte einzuschalten. Er hat die alleinige Befugnis, weil die Welt so ist, wie sie ist." Auch der Verteidigungsminister kann kein Veto gegen den Beschluss des Präsidenten einlegen, sondern muss sich fügen. "Präsident Donald Trump könnte einen Nuklearschlag so einfach anordnen, wie unsereiner ein Grand Slam breakfast bestellt", fasst es Michael Dobbs zusammen, einst Bill Clintons Adjutant.

Seit einigen Wochen wird in Amerika debattiert, ob man den labilen Donald Trump in die Nähe des Atomknopfes lassen darf. Vielen Experten stehen bei der bloßen Vorstellung die Haare zu Berge – nicht allein wegen Trumps aufbrausenden Temperaments, sondern auch wegen seiner beunruhigenden Äußerungen über Atomwaffen.

Völlig ahnungslos zeigte er sich, als er nach der sogenannten nuklearen Triade gefragt wurde, Amerikas Atomarsenal zu Lande, zur See und in der Luft. Einige seiner Äußerungen lösten helles Entsetzen aus. Ein typisches Beispiel: "Wenn wir Atomwaffen haben, warum können wir sie dann nicht einsetzen? Warum haben wir sie denn?" Er sei der Letzte, der den Atomknopf drücken werde, gab er von sich, denn "wenn die nukleare Option einmal zum Einsatz kommt, dann ist es vorbei".

Kernwaffen gegen den "Islamischen Staat"?

Aber einen Atomwaffeneinsatz in Europa will er "nicht vom Tisch nehmen", wie er sich ausdrückt; auch deutete er an, er werde Kernwaffen gegen den "Islamischen Staat" einsetzen. Im Übrigen ist er sehr dafür, dass Japan, Südkorea und Saudi-Arabien ihre eigenen Kernwaffen bauen. Dass weitere Staaten Atommächte werden, quittiert er mit einem Achselzucken: "Das passiert so oder so."

Trumps Ahnungslosigkeit ist eine Sache, sein unberechenbares Temperament eine andere. Eine Eigenschaft allein würde ausreichen, ihn für das Amt zu disqualifizieren. Beide zusammen müssen einem Gänsehaut verursachen.