Die EU wird nach Angaben der Außenbeauftragten Federica Mogherini keine Sanktionen gegen Russland wegen des Syrien-Kriegs beschließen. Ein solches Vorgehen sei von keinem Mitgliedstaat vorgeschlagen worden, sagte Mogherini beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg. Diskutiert würden aber zusätzliche Sanktionen gegen das syrische Regime.

Bei dem Treffen besprechen die Außenminister das weitere Vorgehen im Syrien-Krieg, nachdem alle diplomatischen Mittel erschöpft scheinen. Unter anderem die USA und Großbritannien hatten über Sanktionen gegen Syrien und dessen Verbündeten Russland nachgedacht, nachdem die Situation in Aleppo für die dort eingekesselten Menschen immer unerträglicher wird. "Wir ziehen zusätzliche Sanktionen in Betracht", hatte US-Außenminister John Kerry bereits am Sonntag nach einem Treffen mit europäischen Kollegen in London gesagt.

Die syrischen und russischen Angriffe auf Zivilisten im Ostteil Aleppos seien "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", kritisierte Kerry und fügte hinzu, für US-Präsident Barack Obama sei "keine Option vom Tisch".

Die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens im Syrien-Konflikt spielte Kerry herunter. "Wir diskutieren jeden für uns möglichen Mechanismus, aber ich habe niemanden in Europa gesehen, der große Lust hat, es zu einem Krieg kommen zu lassen", sagte Kerry nach den Gesprächen, an denen auch Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault teilnahm. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte zuvor mit Kerry telefoniert.

Kerry hatte sich am Samstag in Lausanne erstmals seit dem Beginn der russisch-syrischen Offensive auf Ost-Aleppo mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow getroffen, allerdings ohne dass es ein Ergebnis gab.

Am Wochenende hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle Russland mit weiteren Sanktionen zu einer Änderung seiner Kriegsführung in Syrien bewegen. Dafür werde die Kanzlerin beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag werben. Steinmeier sagte jedoch zum Auftakt des Treffens in Luxemburg: "Ich sehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, wie möglicherweise langfristig wirkende Sanktionen hier zur Verbesserung der Versorgung der Zivilbevölkerung beitragen sollen." Er sei nicht der einzige, der deshalb skeptisch sei, was Sanktionen angehe. Seine Bemühungen richteten sich eher darauf, die Gespräche über eine Waffenruhe für Aleppo wieder in Gang zu bringen. Darin sehe er momentan die größte Chance für eine Verbesserung der humanitären Lage in der umkämpften Großstadt.