Einige Diplomaten, die nach dem gescheiterten Putsch aus der Türkei geflohen sind, haben in Deutschland Asyl beantragt. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit NDR und WDR. Demnach hätten mindestens drei Diplomaten einen Asylantrag gestellt, darunter auch ein  Militärattaché der Botschaft in Berlin. Diese Zahl habe das Bundesinnenministerium Bundestagsabgeordneten genannt.

Die schwierigen bilateralen Beziehungen könnten damit vor einer neuen Belastungsprobe stehen. Deutschland muss nun entscheiden, ob die als Putschisten Verdächtigten in der Türkei politischer Verfolgung ausgesetzt sind.

Die türkische Regierung habe nach dem Putsch die Gültigkeit der Pässe von acht in Deutschland tätigen Diplomaten widerrufen, hieß es. Ein Botschaftssprecher wurde mit den Worten zitiert: "Es ist richtig, dass einige Diplomaten zurück in die Türkei gerufen worden sind."

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) habe über die Asylanträge der Diplomaten noch nicht entschieden, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise weiter. Es sei auch keine Eile geboten, weil sie vor einer Abschiebung geschützt seien, solange das Verfahren laufe.

Am Abend des 15. Juli hatten Teile des Militärs versucht, die Macht in der Türkei zu übernehmen. Nachdem der Umsturzversuch scheiterte, ging die Regierung mit Härte gegen Oppositionelle und potenzielle Putschisten vor. Zehntausende Menschen wurden verhaftet, Präsident Recep Tayyip Erdoğan verhängte den Ausnahmezustand, wodurch unter anderem die türkische Presse zensiert werden kann.