Die britische Bank NatWest will die Konten des russischen Medienunternehmens Russia Today (RT) in London bis Mitte Dezember schließen. Der von der Regierung in Moskau finanzierte und auch in Deutschland aktive Propaganda-Sender veröffentlichte einen entsprechenden Brief der Bank, die zur Royal Bank of Scotland gehört und somit zu großen Teilen dem britischen Staat gehört.

Eine Sprecherin des russischen Außenministerium kritisierte, Großbritannien habe offenbar sein Eintreten für die Meinungsfreiheit aufgegeben. Mit der Entscheidung werde es unmöglich, in Großbritannien einen normalen Sendebetrieb aufrechtzuerhalten. Der Gedanke liege nahe, dass damit eine Nachrichtenquelle versiegen solle, die für die Regierung in London unbequem sei. Die britische Regierung jedoch wies jede Verantwortung zurück. Es handele sich um eine unternehmerische Entscheidung.

Gründe für die Kündigung werden in dem Brief nicht genannt. Es heißt lediglich, die Bank sei nach "einer Überprüfung der Bankvereinbarungen" mit RT zu dem Schluss gekommen, dass sie "diese Dienstleistungen" nicht weiter zur Verfügung stellen werde. Alle Guthaben würden in Form eines Schecks ausgezahlt. Der Mutterkonzern Royal Bank of Scotland äußerte sich später in einem Statement, dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen würden. Die Situation werde überprüft und weiter mit dem Kunden besprochen. Die Konten blieben zunächst zugänglich.

RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan sagte, eine mögliche Erklärung sei, dass die Kontenschließung Teil eines britischen Sanktionspaketes gegen Russland sein könnte. Die EU und die USA diskutieren gerade darüber, ob wegen des russischen Vorgehens in Syrien Sanktionen verhängt werden sollten. Der Guardian berichtet aus Kreisen des zuständigen britischen Finanzministeriums jedoch, es seien keine neuen Maßnahmen verhängt worden. Die Bank habe die Entscheidung offenbar ganz allein und vor allem ohne Rücksprache mit den Behörden getroffen. In den vergangenen Jahren hatte sie immer wieder Konten russischer Kunden geschlossen, oft ohne Vorwarnung.