Die sechs im türkischen Incirlik stationierten Tornado-Jets der Bundeswehr dürfen bis auf Weiteres nicht starten. Wegen eines technischen Defekts ist der Einsatz der Aufklärungsflugzeuge gestoppt, wie die Bundeswehr mitteilte. Die Maschinen vom Typ ASST A3 sind auf der Nato-Luftwaffenbasis Incirlik stationiert, um den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu unterstützen.

Die Industrie habe am Mittwoch in Deutschland einen technischen Mangel an einem Bauteil des Jets festgestellt, teilte die Luftwaffe mit, ohne Details zu nennen. "Um jedwede Gefährdung für Personen und Material auszuschließen", sei der Flugbetrieb dieser Maschinen am Donnerstag ausgesetzt worden. Zuvor hatte das verteidigungspolitische Blog Augen geradeaus! darüber berichtet.

Die Bundeswehr unterstützt von der Nato-Basis aus die Luftangriffe der Nato im Kampf gegen den IS, die Tornados starteten bisher zu Aufklärungsflügen. In Incirlik ist neben den Tornados auch ein Tankflugzeug stationiert. Das ist nach Angaben der Bundeswehr nicht von dem Defekt betroffen und weiterhin im Einsatz.

Bereits Anfang des Jahres hatte es Probleme gegeben: Damals blendete die Cockpitbeleuchtung der sechs Aufklärungsflugzeuge so stark, dass ein Einsatz nur tagsüber möglich war. Das Problem war durch ein Softwareupdate entstanden.

Erst am Mittwoch hatten erstmals wieder Abgeordnete des Bundestags die deutschen Soldaten in Incirlik getroffen. Die Regierung in Ankara hatte den Abgeordneten den Zugang zum Stützpunkt untersagt – wegen der Armenien-Resolution des Bundestags. Im Juni hatte das Parlament die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren als Völkermord verurteilt. Die Türkei wehrte sich massiv gegen diese Einstufung.

Das Besuchsverbot für die deutschen Abgeordneten führte dazu, dass deutsche Parlamentsmitglieder in Erwägung zogen, den dortigen Bundeswehreinsatz zu beenden, indem das nötige Bundestagsmandat nicht verlängert würde. Laut Angaben der Bundeswehr beinhaltet das Mandat bis zu 1.200 Soldaten und ist bis zum 31. Dezember 2016 gültig.

Lockere Schrauben?

Bei dem nun ermöglichten Besuch lehnte die türkische Regierung Gespräche mit den sieben Mitgliedern des Verteidigungsausschusses ohne Begründung ab. Eine klare Zusage für ein dauerhaftes Besuchsrecht bei den 250 in Incirlik stationierten Bundeswehrsoldaten gab es ebenfalls nicht.

Fast jeder zweite Tornado-Kampfjet der Bundeswehr muss wegen der technischen Probleme am Boden bleiben. Es sind die 39 modernsten der insgesamt 85 Tornados der Bundeswehr betroffen, wie ein Sprecher der Luftwaffe auf Nachfrage sagte. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei der Panne um lockere Schrauben an einem Bildschirm im Cockpit der modernsten "Tornado"-Version ASST A3.