Durch einen Selbstmordanschlag sind in Bagdad mindestens 35 Menschen getötet und 63 weitere verletzt worden. Der Angriff sei am Samstagmittag auf eine schiitische Trauergemeinde in der Nachbarschaft Al-Schaab im Norden der irakischen Hauptstadt verübt worden, teilten Polizeivertreter und Mitarbeiter von Krankenhäusern mit. Der Attentäter habe einen Sprengstoffgürtel gezündet. Die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) übernahm in einer von ihrem Medium Amak veröffentlichten Erklärung die Verantwortung für den Anschlag.

Das irakische Militär bereitet sich mit den USA und verbündeten Milizen zurzeit darauf vor, mit einer umfassenden Operation die nordirakische Großstadt Mossul aus der Kontrolle des IS zu befreien. Nach Bagdad ist Mossul die zweitgrößte Stadt des Irak. Die nordirakische Millionenstadt war im Zuge der Blitzoffensive des IS im Sommer 2014 von der Dschihadistenmiliz erobert worden, die ihre Kämpfer aus der sunnitischen Minderheit des Landes rekrutiert.

Der IS kontrolliert noch immer große Gebiete im Norden und Westen des Irak. Zuletzt hatte die Miliz aber Territorien verloren und stattdessen verstärkt weit von den Frontlinien entfernt Selbstmordanschläge auf Zivilisten verübt. In den vergangenen Monaten erlebte der Irak mehrere Attentate dieser Art, die wahrscheinlich in diesem Kontext stehen. Die Attentate gingen jedoch meist mit geringeren Opferzahlen aus als jener bei dem Angriff am Samstag. Der letzte sehr schwere Anschlag geschah im Juli in einem Einkaufsviertel von Bagdad, als annähernd 300 Menschen getötet wurden.

Die Schiiten begingen am Mittwoch das Aschura-Fest, bei dem sie des Martyriums von Imam Hussein gedenken, einem Enkel des Propheten Mohammed, der im Jahr 680 in der Schlacht von Kerbela von dem sunnitischen Kalifen Jasid getötet worden war. Bereits während des wichtigsten schiitischen Feiertags gab es im Irak und auch in Afghanistan Angriffe auf Versammlungen der Schiiten. So wurden am Vorabend des Aschura-Festes in Kabul bei einem Angriff auf schiitische Pilger 14 Menschen von Extremisten getötet.