Die Nachricht vom Tod kam kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Als die Tausenden besorgten Thailänder vor dem Siriraj-Krankenhaus die Nachricht vom Ableben ihres Königs auf dem Smartphone lasen, brachen sie in Tränen aus. Den ganzen Tag hatten sie vor der Klinik in Bangkok gebetet und gesungen.

Im Alter von 88 Jahren ist Thailands König Bhumibol Adulyadej am Donnerstag gestorben. Kein anderes aktuelles Staatsoberhaupt regierte länger. Bhumibol galt als Garant für Stabilität in einem politisch tief gespaltenen Land. Nun wird er als vereinendes Symbol fehlen: "Bhumibol Adulyadejs Tod könnte Schockwellen in Thailands Politik auslösen", warnt der Südostasien-Beobachter Joshua Kurlantzick vom Thinktank Council on Foreign Relations.

Zumal kein Nachfolger in Sicht ist, der eine ähnliche Strahlkraft besitzt. Machthaber Prayuth Chan-ocha kündigte an, dass nun Kronprinz Maha Vajiralongkorn den Thron besteigen werde. Doch Vajiralongkorn ist nicht annähernd so beliebt wie sein Vater, auch wenn die Militärregierung ihn mit großen Festen etwas populärer machen wollte. Einen Großteil seiner Zeit verbringt der Kronprinz in Deutschland, wo sein Sohn zur Schule geht.

Nach dem Halbgott den Thron besteigen

Wenn Vajiralongkorn auf den Thron steigt, tritt er das Erbe eines einem Halbgott gleichen Herrschers an: In fast jedem Laden hängen Fotos von Bhumibol, in Bangkok ziert er ganze Hochhausfassaden. Der überwiegende Teil der Thais hat nie einen anderen König gekannt. Mit seiner Autorität gelang es ihm oft, politische Grabenkämpfe innerhalb des Landes zu befrieden – wenn auch nicht die strukturellen Ursachen dafür zu beseitigen. Kritiker werfen ihm vor, immer wieder Militärputsche abgesegnet und so die Modernisierung des Landes verhindert zu haben.

Gerade jetzt wäre Aussöhnung nötig: Seit gut 15 Jahren weitet sich in Thailand der gesellschaftliche Graben immer weiter aus. Stark verallgemeinert ausgedrückt stehen sich die arme Landbevölkerung des Nordostens und die urbane Mittelschicht Bangkoks sowie des Südens gegenüber.

Der Politiker Thaksin Shinawatra und seine Parteien errangen bei Wahlen auch dank üppiger Subventionen für die Landbevölkerung stets den Sieg. Doch die Eliten im Palast und im Militär sehen in dieser Bewegung eine Gefahr. Die Generäle putschten sich immer wieder an die Macht. Dabei konnten sie regelmäßig auf Unterstützung breiter Bevölkerungsgruppen in der Hauptstadt zählen, die sich an der Umverteilungspolitik der Shinawatra-Parteien störten und ihr Korruption vorwarfen.