Die Farc-Rebellen in Kolumbien wollen an der Waffenruhe mit der Regierung festhalten. Obwohl das Referendum über den Friedensvertrag gescheitert ist, sollen die Waffen definitiv schweigen, sagte der Farc-Kommandeur Timoleón Jiménez, genannt Timoschenko, in einer Videobotschaft. Jiménez versprach das Einhalten der Waffenruhe "vor Kolumbien und vor der ganzen Welt". Die Farc werde "dem verpflichtet bleiben, was beschlossen wurde", sagte er. Sie sei bereit, zusammen mit der Regierung den Vertrag zu reparieren.

Timoleón Jiménez sagte, die Schlussvereinbarung für den Waffenstillstand sei bereits mit der Regierung unterzeichnet worden und als humanitäres Sonderabkommen zwischen Kriegsparteien nach den Genfer Konventionen beim schweizerischen Bundesrat hinterlegt worden.

Am Sonntag hatte die kolumbianische Bevölkerung in einem Referendum den Friedensvertrag überraschend abgelehnt, den Regierung und Rebellen nach jahrelangen Verhandlungen in Havanna geschlossen hatten. Eine denkbar knappe Mehrheit von 50,21 Prozent stimmte mit Nein, der Abstand betrug bei rund 13 Millionen Wahlzetteln weniger als 54.000 Stimmen.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos versicherte sofort nach dem Volksentscheid, er wolle dennoch die Friedensbemühungen fortsetzen, der geltende Waffenstillstand mit der Farc-Guerilla bleibe in Kraft. Auch die Vereinten Nationen (UN) wollen den Friedensprozess weiter unterstützen. Generalsekretär Ban Ki Moon schickte einen Sonderbeauftragten nach Kuba: Jean Arnault solle mit den Delegationen der Regierung und der Farc in Havanna nach einer Lösung suchen, sagte Ban in Genf. Es sei ermutigend, dass beide Parteien an einer Beilegung des Konflikts festhalten.

Das Abkommen sah vor, dass die etwa 7.000 Farc-Kämpfer ihre Waffen im Lauf der nächsten sechs Monate in 28 ausgewiesenen Zonen an Beobachter abgeben. Für ihre Verbrechen sollten sie anschließend Wiedergutmachung in Form von Entwicklungsarbeiten in vom Konflikt stark betroffenen Gebieten leisten. Die Regierung ihrerseits verpflichtete sich, das Problem der ungleichen Landverteilung anzugehen. Zudem wollte sie alternative Entwicklungsmöglichkeiten für Zehntausende Familien bereitstellen, die vom Kokainhandel abhängig sind. Die Farc sollte in eine politische Organisation überführt werden, für die in den kommenden Jahren Parlamentssitze reserviert werden.

Die Farc hatte 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer und die Regierung zu den Waffen gegriffen. In dem Konflikt waren neben der Armee auch andere linke Guerillagruppen, rechte Paramilitärs und die Drogenmafia verwickelt. Insgesamt wurden in dem über als ein halbes Jahrhundert währenden Gewaltkonflikt mehr als 220.000 Menschen getötet.

Kolumbien in Südamerika