Die kolumbianische Regierung hat die Waffenruhe mit der Farc-Guerilla bis zum Ende des Jahres verlängert. "Um es klarzustellen: Das ist weder ein Ultimatum noch eine Frist", sagte Präsident Juan Manuel Santos am Donnerstag zur Entscheidung. Er hoffe aber, dass die Verhandlungen über Änderungen am Friedensabkommen deutlich früher beendet würden. "Die Zeit arbeitet gegen den Frieden und das Leben."

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und die kolumbianische Regierung hatten sich Ende August nach vierjährigen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen geeinigt. Anfang Oktober stimmten die Kolumbianer in einem Referendum jedoch mit einer hauchdünnen Mehrheit gegen das Abkommen. Der vereinbarte Waffenstillstand würde deshalb normalerweise am 31. Oktober enden.

Santos war vergangene Woche für seine Bemühungen zur Beilegung des jahrzehntelangen Konflikts mit der Farc der Friedensnobelpreis zugesprochen worden. Er bemüht sich nach dem gescheiterten Referendum um eine Überarbeitung des Friedensvertrags. Farc-Chef Rodrigo Londoño alias Timochenko sagte am Mittwoch, er hoffe auf eine rasche Überarbeitung des Vertragstextes.

Die Gegner kritisieren vor allem die geplante politische Beteiligung der Farc und die relativ milden Strafen für die Rebellen. Die Unterhändler der Regierung und der Farc kamen bereits in Havanna zusammen, um die Gespräche wieder aufzunehmen.

Die Farc hatte 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer und die Regierung zu den Waffen gegriffen. In den Konflikt waren neben der Armee auch andere linke Guerillagruppen wie die ELN, rechte Paramilitärs und die Drogenmafia verwickelt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden dabei mehr als 260.000 Menschen getötet, 45.000 Menschen gelten als vermisst. Die kolumbianische Regierung will Ende Oktober auch Verhandlungen mit der zweitgrößten Rebellengruppe ELN beginnen.

Kolumbien - Landbevölkerung stimmte für Friedensprozess Nach fünf Jahrzehnten Bürgerkrieg sind vor allem Kolumbiens Dörfer vom Konflikt mit der Farc-Guerilla gezeichnet. Die Mehrheit der Kolumbianer stimmte gegen das Abkommen. © Foto: Jaime Saldarriaga/Reuters