Ein Sieg der irakischen Armee und ihrer Verbündeten in Mossul könnte laut EU-Kommissar Julian King negative Folgen für die Sicherheit in Europa haben. In einem Interview mit der Welt sagte der Kommissar für die Sicherheitsunion: "Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen." Das sei eine sehr ernste Bedrohung.

Allerdings gehe er nicht von einem "Massenexodus von IS-Kämpfern nach Europa" aus. Wichtig sei jetzt, durch geeignete Maßnahmen Terroristen immer weniger Handlungsmöglichkeiten zu geben und "insgesamt unsere Widerstandsfähigkeit gegen die terroristische Bedrohung zu erhöhen".

Hilfsorganisationen sind besorgt

Unterdessen sorgen sich Amnesty International und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) um die Zivilisten in Mossul. "Es ist besonders wichtig, die Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu schützen", teilte das IKRK mit.

Das IKRK stehe bereit, den bis zu einer Million Flüchtlingen in den nächsten Tagen und Wochen beizustehen. Alle Konfliktparteien müssten ihr Möglichstes tun, um sicherzugehen, dass ihre Ziele rein militärischer Natur seien. Allen Bewohnern, die aus der Stadt fliehen wollten, sollte ein sicherer Korridor zur Verfügung stehen, forderte das IKRK.

Amnesty International warnte zudem vor Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge aus Mossul. Tausende Zivilisten, die bereits aus Gebieten unter Kontrolle der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) fliehen konnten, seien Opfer von Folter, willkürlicher Inhaftierung und außergerichtlichen Hinrichtungen geworden, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Der Bericht basiert nach Angaben von Amnesty auf Gesprächen mit mehr als 470 ehemaligen Gefangenen, Augenzeugen sowie Verwandten von Personen, die inhaftiert oder getötet wurden. Auch Beamte, Aktivisten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sowie andere Beteiligte wurden interviewt.

"Nachdem sie den Schrecken des Krieges und der Tyrannei des IS entkommen sind, drohen sunnitischen Arabern im Irak brutale Vergeltungsschläge durch (vornehmlich schiitische) Milizen und Regierungstruppen. Sie werden für die Verbrechen des IS bestraft", sagte Philip Luther, Experte für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

Ein Militärbündnis unter Führung der irakischen Armee hat am Montag eine Offensive auf die nordirakische Stadt begonnen, um die Kämpfer des IS aus ihrem wichtigsten Stützpunkt zu vertreiben.