Nach dem Beginn der lange vorbereiteten Großoffensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul melden die Angreifer erste Erfolge. Kurdische Peschmerga-Kämpfer nahmen nach eigenen Angaben rund 40 Kilometer östlich der Stadt sieben Dörfer ein. Mit der in der Nacht zum Montag gestarteten Operation soll die Metropole vom "Islamischen Staat" (IS) befreit werden.

An der Offensive nehmen laut Angaben des irakischen Militärs 25.000 Soldaten und Milizionäre teil. Die Kurden beteiligen sich mit 4.000 Kämpfern und haben die Angriffe auf den Ostteil von Mossul übernommen. Die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition unterstützt mit Luftangriffen. In der Stadt werden noch rund 4.000 IS-Kämpfer und 1,2 Millionen Zivilisten vermutet.

Sollte die Rückeroberung gelingen, wäre der IS im Irak militärisch weitgehend besiegt. Die US-Regierung sprach von einem "entscheidenden Moment" im Kampf gegen die Terrormiliz. Die IS-Kämpfer hatten viel Zeit, um sich auf die Offensive vorzubereiten. Sie sollen überall in der Stadt und im Umland Schützengräben ausgehoben und Sprengfallen versteckt haben.

Steinmeier fordert raschen Wiederaufbau

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief die internationale Gemeinschaft auf, umgehend mit den Planungen für einen Wiederaufbau der Region zu beginnen. "Wir müssen uns schon jetzt darauf vorbereiten, dass dann, wenn die Offensive Erfolg hat und Mossul befreit wird, schnellstmöglich eine Stabilisierung der Stadt und der Region stattfindet", sagte Steinmeier beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg. Es müssten rasch Bedingungen geschaffen werden, die eine Rückkehr der Menschen ermöglichten. Deutschland habe daher vorgeschlagen, schon jetzt einen sogenannten Stabilisierungsrat für Mossul einzurichten.

Hilfsorganisationen warnen vor den Folgen der Kämpfe. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk sind rund 1,5 Millionen Zivilisten in Gefahr. Bis zu 700.000 Einwohner könnten aus Mossul und dem Umland fliehen und auf Hilfe angewiesen sein. Die Helfer kritisieren, dass bisher zu wenige Lager eingerichtet wurden, um diese Menschen bei einer Massenflucht ausreichend versorgen zu können. Bereit stünden bisher nur Aufnahmeplätze für 60.000 Menschen. Weitere 250.000 Plätze würden derzeit vorbereitet werden. Zudem gibt es Befürchtungen, dass Flüchtlinge in die Schusslinie geraten könnten.

Mossul ist die letzte größere irakische Stadt, die noch vom IS kontrolliert wird, nachdem die Regierungstruppen die sunnitische Terrormiliz aus Städten wie Ramadi, Falludscha und Tikrit vertrieben haben. Die Metropole gilt wie Rakka in Syrien als Hauptsitz des IS. Kämpfer des IS hatten Mossul im Sommer 2014 überrannt, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand geleistet hatte. IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi hatte dort ein sogenanntes Kalifat im Irak und Syrien ausgerufen.