Ein berüchtigter Anführer der prorussischen Milizen im Osten der Ukraine ist bei einem Sprengstoffanschlag in Donezk getötet worden. Der russische Kommandeur Arsen Pawlow war unter dem Tarnnamen "Motorola" bekannt und hatte seit 2014 aufseiten der selbsternannten Separatisten, die von Russland unterstützt werden, gegen ukrainische Regierungseinheiten gekämpft. Die Bombe sei am Sonntagabend explodiert, als der 33-Jährige mit Gefolgsleuten den Lift seines Hauses betrat, hieß es in örtlichen Medien. Alexander Sachartschenko, der sich in der selbsternannten Volksrepublik Donezk Ministerpräsident nennt, gab der Regierung in Kiew die Schuld an dem Anschlag. Nach Pawlow war wegen seiner Brutalität gegen ukrainische Gefangene gefahndet worden.

Vor Pawlow waren in den vergangenen Monaten bereits mehrere andere Milizenanführer unter ungeklärten Umständen weit abseits der Front getötet worden. Teilweise wurden dahinter Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen der Separatisten vermutet. Erst im Juni war Pawlow Berichten zufolge in Donezk einem Bombenanschlag entgangen. Im vergangenen Jahr wurden die Kosakenführer Pawel Dremow und Alexander Bednow alias Batman bei einem Autobombenanschlag beziehungsweise in einem Hinterhalt getötet. Auch der Kommandeur Alexej Mosgowoj wurde in einem Hinterhalt getötet, für den die Separatisten den ukrainischen Geheimdienst verantwortlich machten. Auf Sachartschenko gab es laut Separatisten in diesem Jahr zwei Attentatsversuche; der Präsident der anderen Pseudorepublik in Luhansk, Igor Plotnizki, wurde im August bei einem Anschlag verletzt.

Pawlow, ein russischer Veteran aus der Region Komi, hatte im zweiten Tschetschenienkrieg (1999 bis 2009) gekämpft und schloss sich im April 2014 den Milizen in der Ostukraine gegen die Kiewer Regierung an. Durch mehrere russische Fernsehberichte wurde Pawlow bekannt. 2015 prahlte er in einem Interview, er habe 15 ukrainische Kriegsgefangene erschossen. Menschenrechtler forderten daraufhin eine Untersuchung.

Pawlow sei mit dem Tod einer "unvermeidlichen Strafe in Form lebenslanger Haft" entkommen, sagte am Montag denn auch der ukrainische Armeesprecher Andrij Lysenko: "Er hat schlicht Glück gehabt." In Russland dagegen porträtierten die Staatsmedien den Kommandeur, der an wichtigen Kämpfen in Donezk, Slawjansk, Ilowajsk und Debalzewo teilgenommen hatte, als Helden. Ein Kämpfer von Pawlows Einheit Sparta sagte der Nachrichtenagentur AFP, er vermute den ukrainischen Geheimdienst oder eine rivalisierende Rebellengruppe hinter der Tat.

Durch den Krieg im Osten der Ukraine sind etwa 10.000 Menschen gestorben. Eine von Deutschland und Frankreich vermittelte Waffenruhe bleibt brüchig, noch immer werden regelmäßig Kämpfer und Soldaten getötet oder verletzt. Als Reaktion auf das Bombenattentat sagte der Donezker Anführer Sachartschenko nun auch: "(Der ukrainische Präsident) Poroschenko hat die Waffenruhe gebrochen und uns den Krieg erklärt."

Im entmilitarisierten Gebiet bei Solote wurde derweil wieder eine Beobachtergruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit Maschinengewehren beschossen. Die deutlich gekennzeichneten Beobachter waren in Begleitung ukrainischer Offiziere unterwegs. Die OSZE überwacht die Einhaltung der Friedensvereinbarungen zwischen Kiew und den prorussischen Milizen beziehungsweise Russland entlang der etwa 500 Kilometer langen Frontlinie.