Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump nehmen zu.  In den USA haben sich weitere Frauen zu Wort gemeldet, die Trump sexuelle Übergriffe vorwerfen. Eine heute 46-Jährige erzählte der Washington Post von einem Vorfall Anfang der 90er Jahre in einem Nachtclub in New York. Sie habe mit Freunden auf einer Couch gesessen, als eine Hand ihren Rock hochgezogen und sie angefasst habe.

Sie habe die Hand weggestoßen, sich umgedreht und Trump erkannt. "Er hat einen unverwechselbaren Look – die Haare und die Augenbrauen. Wer sonst hat solche Brauen?" Der Vorfall habe nicht länger als 30 Sekunden gedauert, anschließend habe sie mit ihren Freunden entsetzt den Club verlassen.

Trumps Wahlkampfteam stritt die Vorwürfe ab: "Es ist total lächerlich." Die Frau versuche mit den unwahren Anschuldigungen kostenlos Öffentlichkeit zu bekommen. Die Washington Post berichtete zuvor, sie habe die 46-Jährige angesprochen, als ein Freund der Frau einem Journalisten über den Vorfall erzählt hatte. 

Auch eine Teilnehmerin von Trumps ehemaliger Fernsehshow The Apprentice beschuldigt Trump der sexuellen Belästigung. Summer Zervos sagte, er habe versucht, sie gegen ihren Willen zu küssen und ihre Brüste angefasst. Die Republikanerin sagte der New York Times, sie hatte Trump 2007 getroffen, um über ihre Karriereaussichten zu sprechen. Zervos habe ein Geschäftsessen erwartet, wurde dann aber zu Trumps privatem Bungalow gelockt, wo er versucht hätte, sie zu verführen. Sie hätte seine Avancen abgewehrt und das Meeting wäre weitergegangen.

"Lügen, Lügen, Lügen"

Der republikanische Präsidentschaftskandidat selbst bestreitet die Vorwürfe vehement. "Lügen, Lügen, Lügen", sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina. Über die 74-jährige Jessica Leeds, die dem Immobilienmilliardär vorwirft, sie vor mehr als 35 Jahren während eines Fluges angefasst zu haben, sagte Trump: "Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl, das kann ich euch sagen."

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Charlotte wandte er sich an seine weiblichen Unterstützer: "Ich liebe die Schilder 'Frauen für Trump'. Ich denke tatsächlich, dass ich gut mit Frauen klar komme." Eine neue Quinnipiac-Umfrage sieht Trump bei den weiblichen Wählern allerdings 20 Prozentpunkte hinter seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton.

Trump inszenierte sich vor seinen Anhängern als Opfer einer Medienverschwörung. "Die korrupten Medien tun alles in ihrer Macht Stehende, um unsere Bewegung zu stoppen", sagte er. Daran sei auch der mexikanische Milliardär Carlos Slim, Hauptanteilseigner bei der New York Times, beteiligt. "Carlos Slim kommt, wie ihr wisst, aus Mexiko. Er hat den Clintons und ihrer Initiative viele Millionen Dollar gegeben."

Paul Ryan erwähnt Trump mit keinem Wort

Im Rahmen der steigenden Zahl der Beschuldigungen von Frauen, die angeben, von Trump sexuell belästigt worden zu sein, wenden sich allerdings immer mehr Republikaner von ihrem Kandidaten ab.

Der ranghöchste Parteipolitiker, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses Paul Ryan, hielt eine Wahlkampfrede, in der er vollständig auf die Nennung des Präsidentschaftskandidaten Trump verzichtete. Ryan konzentrierte sich vollkommen auf Fortschritte im Rennen um Sitze im Senat und im Abgeordnetenhaus. Zum Präsidentschaftswahlkampf machte er keine Aussagen. Ryan hatte zuvor am Montag erklärt, er werde Trump nicht mehr unterstützen.

Vor einer Woche war ein Video aufgetaucht, in dem obszöne Äußerungen Trumps zu hören sind. In der Zwischenzeit gingen zahlreiche Frauen an die Öffentlichkeit, die angeben, Trump habe sie sexuell belästigt.