Russland verlängert die angekündigte Feuerpause für die syrische Stadt Aleppo. Die für Donnerstag geplante "humanitäre Pause" werde auf Bitten internationaler Organisationen von acht auf elf Stunden ausgeweitet, teilte die russische Armee in Moskau mit. Kampfflugzeuge der russischen und der syrischen Streitkräfte würden in dieser Zeit zu Aleppo einen Abstand von mindestens zehn Kilometern einhalten.

Die Waffenruhe soll den Angaben zufolge von 8 bis 19 Uhr Ortszeit gelten. Die russische Armee hatte am Montag die Waffenruhe für Aleppo angekündigt. Seit Dienstagmorgen um 10 Uhr wurden nach russischen Angaben keine neuen Luftangriffe auf Aleppo mehr geflogen. Die Europäische Union und die UN hatten die Entscheidung im Grundsatz begrüßt, eine Feuerpause von nur acht Stunden aber als zu kurz kritisiert.

Die Verlängerung der Waffenruhe wurde bekannt, kurz bevor Russlands Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen nach Berlin eintreffen sollte. Bereits seit dem Nachmittag berät sich im Kanzleramt Angela Merkel mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und ihrem französischen Amtskollegen François Hollande über eine Waffenruhe in der Ostukraine. Im sogenannten Normandie-Format wollen die vier Staats- und Regierungschefs vor allem den festgefahrenen Minsker Friedensprozess wieder beleben.

Kritik an Putin im Bundestag

Später am Abend steht dann noch ein Gespräch zwischen Merkel, Putin und Hollande zur Lage in Syrien auf dem Programm. Mit Blick auf das Treffen hatten führende Koalitionspolitiker im Bundestag scharfe Kritik an der Moskauer Regierung geäußert. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) warf Russlands Präsident am Mittag in einer Aktuellen Stunde vor, mit fortgesetzten Bombardements den Menschen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo jede Hoffnung zu rauben. 

Er begrüßte jedoch Putins Besuch und den Versuch von Kanzlerin Angela Merkel, die Gespräche voranzutreiben. Zugleich müsse der Westen auch Härte gegenüber Moskau zeigen: "Wenn Putin den Eindruck hat, dass Sprechen unsere einzige Form der Auseinandersetzung mit ihm ist, dann wird es auch nichts." Der Unionsaußenexperte Henning Otte plädierte ebenfalls für "Dialog und Stärke". Nach seinem Eindruck breche Russland in Syrien mit seinem Eingreifen aufseiten des Assad-Regimes "offensichtlich" Völkerrecht.