Syriens Präsident Baschar al-Assad will im Bürgerkrieg weiter auf den Sieg seiner Truppen setzen. Die Eroberung der seit Monaten umkämpften Stadt Aleppo werde seiner Armee ein Sprungbrett zur Befreiung des ganzen Landes von Terroristen verschaffen, sagte der syrische Diktator der russischen Zeitung Komsomolskaja Prawda in einem Interview. Aleppo habe zwar wirtschaftlich an Bedeutung verloren, sei aber politisch und strategisch wichtig.

Syrische Regierungstruppen haben mit Unterstützung Russlands die von Rebellen kontrollierten Ostbezirke Aleppos eingekreist. In der Stadt sind etwa 250.000 Menschen eingeschlossen. Die UN und westliche Staaten werfen Assad und Russland vor, medizinische Einrichtungen und Hilfskonvois anzugreifen, und sprechen von Kriegsverbrechen. Syrien erklärt dagegen, Terrorkämpfer benutzten in Aleppo Zivilisten als menschliche Schutzschilde. 

Nach der Eroberung gelte es dann, die Provinz Idlib zu "säubern". "Wir müssen die Terroristen in die Türkei zurückdrängen, wo sie herkommen, oder sie liquidieren. Wir haben keine andere Wahl", betonte Assad. Assad unterscheidet bei seinen Gegnern nicht zwischen Gruppen wie der Terrormiliz "Islamischer Staat" und Kämpfern, die gemäßigte Ziele verfolgen – er bezeichnet sie alle als "Terroristen".

Der Machthaber Assad sagte weiter, die Aktionen der Türkei in Syrien kämen einer Invasion gleich und das sei gegen internationales Recht. In Syrien liege der "Geruch des Dritten Weltkrieges" in der Luft. Der blutige Konflikt in seinem Land sei zu einer Art Stellvertreterkrieg zwischen Russland und dem Westen geworden. "Besonders die USA haben nach dem Zerfall der Sowjetunion den Kalten Krieg nicht gestoppt", sagte Assad. Noch sei es in Syrien aber zu keiner direkten militärischen Konfrontation der Großmächte gekommen.

Er äußerte außerdem die Hoffnung, dass Russland die Türkei zu einer Änderung ihrer Haltung zur syrischen Führung bewegen könne. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte sich am Montag mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdoğan getroffen und eine Reihe von Wirtschaftsvereinbarungen vereinbart. Erdoğan fordert den Rücktritt des syrischen Staatschefs, hier kam es zu keiner Annäherung mit Russland.

In Aleppo kam es in den vergangenen Tagen erneut zu heftigen Bombardierungen. Oppositionsaktivisten berichteten von mehr als 20 Luftangriffen auf Rebellengebiete im Osten von Aleppo in der Nacht zu Donnerstag. Außerdem hätten die Regierungstruppen ihren Vormarsch am nördlichen Rand der umkämpften Stadt fortgesetzt. Die Angriffe geschehen wenige Tage bevor Russland und die USA wieder direkte Gespräche über eine Waffenruhe für Syrien führen wollen. Am Samstag treffen sich der russische Außenminister Sergej Lawrow, sein US-Kollege John Kerry sowie die Außenminister anderer Staaten im schweizerischen Lausanne.