Die russische Regierung hat die Verantwortung für den Luftangriff auf eine Schule im Nordwesten Syriens zurückgewiesen. Bei der Bombardierung am Mittwoch waren 35 Menschen, darunter 22 Schüler und 6 Lehrer, ums Leben gekommen. "Die Russische Föderation hat mit dieser schrecklichen Tragödie nichts zu tun", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Anders lautende Berichte seien "eine Lüge". Der Vorfall müsse von internationalen Organisationen untersucht werden. Laut Sacharowa prüft das russische Verteidigungsministerium bereits alle vorliegenden Daten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte für die sechs Luftangriffe auf eine Schule in dem Dorf Haas in der Provinz Idlib syrische oder russische Flugzeuge verantwortlich gemacht. Die russische Regierung unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Laut der Beobachtungsstelle wurden bei dem Angriff zahlreiche Menschen verletzt, einige gelten als vermisst. Die Organisation mit Sitz in London bekommt ihre Informationen von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die Provinz Idlib wurde in den vergangenen Monaten immer wieder von der russischen und der syrischen Luftwaffe bombardiert. Die Region wird von Rebellen kontrolliert. Darunter sind auch radikalislamische Gruppen wie die Al-Kaida-nahe Rebellengruppe Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) und die radikalislamische Miliz Ahrar al-Scham. Die US-geführte internationale Koalition fliegt ihre Luftangriffe gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" fast ausschließlich in anderen Regionen des Landes.

Angriff könnte ein Kriegsverbrechen sein

Laut des Direktors des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Anthony Lake, könnte die Bombardierung die tödlichste Attacke auf eine Schule seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren gewesen sein. "Es ist eine Tragödie", sagte Lake. Wenn der Angriff vorsätzlich geflogen worden sei, handele es sich um ein Kriegsverbrechen.

In den vergangenen Wochen waren im Norden und Nordwestens Syriens mehrfach zivile Einrichtungen wie Kliniken getroffen worden, vor allem in Aleppo. Regimegegner und Regierungen im Westen machen die russische und syrische Armee dafür verantwortlich, diese wiesen die Vorwürfe jedoch zurück.

Die UN befürchten in den kommenden Monaten eine weitere Eskalation der humanitären Lage. "Der Krieg wird immer schlimmer, immer rücksichtsloser", sagte der UN-Koordinator für Nothilfe in Syrien, Jan Egeland. Besonders der bevorstehende Winter bereite den Helfern große Sorgen. "Das wird der schlimmste Winter seit Beginn der Kämpfe." Außerdem seien immer mehr Kinder betroffen.

Weitere EU-Sanktionen gegen Assad-Vertraute

Nach dem gescheiterten Evakuierungsversuch für den Kriegsbrennpunkt Aleppo drängt laut Egeland die Zeit. "Wir haben alle versagt. Nicht eine Hilfslieferung konnte in das Gebiet, nicht eine einzige Evakuierung hat geklappt." Die Gründe dafür seien zu wenig Vertrauen, zu viel Furcht und Missverständnisse zwischen den Konfliktparteien. Die UN wollen weiterhin versuchen, Verletzte aus der Stadt zu bergen.

Die EU hat unterdessen zehn weitere Assad-Vertraute auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Diese ziele auf hochrangige militärische Offizielle und Personen im Umfeld des Präsidenten, teilte die EU mit. Die Namen sollen erst am Freitag bekanntgegeben werden. Vor allem Frankreich und Großbritannien hatten wegen der Bombardierung Aleppos auf weitere Sanktionen gepocht. Beide scheiterten in den Beratungen der 28 EU-Regierungen aber mit dem Versuch, auch russische Verantwortliche auf die Liste zu setzen.