Russland hat eine zeitliche unbegrenzte Militärpräsenz in Syrien beschlossen. Die russische Staatsduma verabschiedete ein entsprechendes Militärabkommen mit der syrischen Regierung. In dem Abkommen geht es konkret um die Nutzung des Luftwaffenstützpunktes Hemeimin in der Provinz Latakia durch russische Truppen. Dem Vertrag zufolge kann das russische Militär die Basis kostenfrei und so lange wie gewünscht nutzen. Die Vereinbarung gilt als Zeichen der russischen Unterstützung für Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Von der Vereinbarung ausgeschlossen ist die Nutzung des Marinestützpunktes in der Küstenstadt Tartus durch die russische Marine. Eine separate Vereinbarung zur unbegrenzten Nutzung dieses Stützpunktes ist allerdings im Gespräch.

Russland hatte vor einem Jahr begonnen, die syrische Armee im Kampf gegen Rebellen mit Luftangriffen zu unterstützen. Damit gelang es den Regierungstruppen, den Bürgerkrieg wieder zu ihren Gunsten zu wenden. Die russische Regierung sagt, sie wolle der syrischen Armee im Kampf gegen den Terrorismus beistehen. Für Assad sind auch die vom Westen als gemäßigt eingestuften Rebellen Terroristen.  

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben seit dem Beginn seiner Luftangriffe in Syrien rund 35.000 Kämpfer getötet. Zu den Getöteten zählten knapp 2.700 Bürger aus Russland und anderen früheren Sowjetrepubliken, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow. Präsident Wladimir Putin hatte bekannt gegeben, dass zwischen 5.000 und 7.000 Personen aus Russland und anderen ehemaligen Staaten der Sowjetunion für den "Islamischen Staat" und andere Milizen in Syrien kämpfen würden.

In der heftig umkämpften Stadt Aleppo kam es erneut zu Bombardements auf Krankenhäuser. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenze (MSF) teilte mit, seit Juli seien die acht verbliebenen Kliniken in Aleppos Rebellengebieten mindestens 23 Mal angegriffen worden. Die Krankenhäuser würden von der großen Zahl an Verletzten erdrückt. "Die Menschen sterben sprichwörtlich auf dem Boden der Einrichtungen", steht in der Mitteilung von MSF. Die Kliniken in Ost-Aleppo zählten in den vergangenen zwei Wochen MSF zufolge mindestens 377 getötete Personen

Nach den erneuten Luftangriffen forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Ende der Kämpfe in Aleppo. "Es ist grauenvoll, was sich da abspielt. Wir müssen alles daran setzen, um zu versuchen, einen Waffenstillstand hinzubekommen und vor allem die Menschen in Not auch wirklich zu versorgen", sagte Merkel. Sie forderte Russland auf, für ein Ende der Gräueltaten in Aleppo zu sorgen. "Es gibt keine völkerrechtliche Grundlage dafür, dass man Krankenhäuser bombardiert, Ärzte bombardiert, ganz gezielt schädigt", kritisierte sie.

Kerry will Kriegsverbrechen prüfen lassen

US-Außenminister John Kerry schlug vor, die vergangenen militärischen Aktionen der syrischen Regierung und Russlands auf Kriegsverbrechen zu untersuchen. "Das sind Aktionen, die nach einer angemessenen Untersuchung auf Kriegsverbrechen schreien", sagte Kerry. Russland und das Regime Assads hätten gemeinsam ein weiteres Krankenhaus angegriffen, 20 Menschen seien getötet und 100 verwundet. "Dies ist eine zielgerichtete Strategie, um Zivilisten zu töten, um alle und jeden zu töten, der ihren militärischen Zielen im Weg steht", sagte der US-Außenminister weiter.

Nachdem die USA Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Syrien mit Russland abgebrochen hatten, zeigte sich Russland offen für einen Vorschlag der Vereinten Nationen (UN) zur Beendigung der Kämpfe in Aleppo. Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte vorgeschlagen, Kämpfern der islamistischen früheren Nusra-Front freies Geleit aus der umkämpften Großstadt Aleppo zu gewähren. Russland sei bereit, sich bei der syrischen Regierung dafür einzusetzen, dass die Islamisten mit ihren Waffen aus der Stadt abziehen könnten, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Außenminister Sergej Lawrow.