Wegen der russischen Luftangriffe auf die syrische Stadt Aleppo erwägen Großbritannien und die USA neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Auch gegen die syrische Regierung seien Strafmaßnahmen im Gespräch, teilten US-Außenminister John Kerry und sein britischer Amtskollege Boris Johnson mit.

Ein stärkeres militärisches Eingreifen der USA scheint hingegen weiterhin unwahrscheinlich. "Wenn eine Großmacht in einen Kampf wie diesen involviert ist, wie Russland mit der Stationierung von Raketen, dann erhöht das den Einsatz bei einer Auseinandersetzung", sagte Kerry.

Johnson sagte, im Prinzip sei die Option eines stärkeren militärischen Eingreifens im syrischen Bürgerkrieg gegen Präsident Baschar al-Assad nicht vom Tisch. "Zweifellos sind diese sogenannten militärischen Alternativen äußerst schwierig und es gibt in den meisten europäischen Hauptstädten und im Westen sicher derzeit wenig Appetit auf diese Art Lösung – um es vorsichtig auszudrücken", räumte Johnson allerdings ein. Daher müsse man mit diplomatischen Mitteln arbeiten.

Am Samstag hatten die USA, Russland und Regionalmächte wie Saudi-Arabien und der Iran über eine neue Waffenruhe für Syrien beraten. Das Treffen brachte allerdings keine konkreten Ergebnisse, außerdem setzte Russland am Wochenende seine Luftangriffe auf die Rebellengebiete im Osten Aleppos fort.

Obama und Merkel sind sich einig

Tags zuvor soll bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt haben, sie werde sich in der EU für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland wegen dessen Kriegsführung in Syrien einsetzen. Das hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) unter Berufung auf Merkels Umgebung berichtet. Das Thema solle im Europäischen Rat kommenden Donnerstag und Freitag zur Sprache kommen, hieß es.

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

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Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

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Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

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Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Zwar sei es schwierig, weitere Sanktionen mit dem Koalitionspartner SPD und dann auf der europäischen Ebene zu vereinbaren. Doch habe sich "der Unmut über die Russen aufgestaut". Dafür hätte die Bombardierung des UN-Hilfskonvois und das rücksichtslose Vorgehen in Aleppo gesorgt.

US-Präsident Barack Obama habe Merkel unterdessen telefonisch die Unterstützung für "eine harte Reaktion" zugesagt, falls die Europäer sich darauf einigen würden. Erwogen werden demnach weitere Strafmaßnahmen in der Flugzeugindustrie oder in Bereichen, die das russische Verteidigungsministerium betreffen, berichtete die FAS

Spielt Russland auf Zeit?

Vor knapp einem Monat war eine Waffenruhe in Syrien nach nur wenigen Tagen gescheitert. Westliche Beobachter gehen davon aus, dass Russland eine Waffenruhe so lange hinauszögern will, bis Aleppo erobert ist. Noch während der Gesprächsrunde in Lausanne am Wochenende hatte Russland außerdem einen Flugzeugträger in die Krisenregion entsandt.

Die USA und ihre Verbündeten unterstützen in Syrien die Rebellen, unter anderem indem sie seit 2014 aus der Luft IS-Ziele sowohl in Syrien als auch im Irak angreifen. Russland hingegen unterstützt die Führung in Damaskus unter Staatschef Baschar al-Assad und fliegt Luftangriffe – offiziell ebenfalls um den IS zu schwächen. Kritiker werfen Russland allerdings vor, dass die Angriffe überwiegend den moderaten Gegnern Assads gelten würden.