Russland und das syrische Regime haben einseitig eine achtstündige Feuerpause in Aleppo für diesen Donnerstag angekündigt. Die russischen Luftstreitkräfte und die syrische Armee würden ihre Bombardements "und jeglichen anderen Beschuss" von 8 bis 16 Uhr Ortszeit für eine "humanitäre Pause" einstellen, sagte Sergej Rudskoj vom Generalstab in Moskau. Während dieser Zeit könnten Kämpfer die Stadt ungehindert über zwei Korridore verlassen, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Auch Verletzte könnten aus der Stadt gebracht werden.

Am Wochenende war eine Syrien-Konferenz mit Russland, den USA und Regionalmächten weitgehend ergebnislos geendet. Es war der erste Versuch eines Neustarts, nachdem die USA die Gespräche mit Russland vorerst abgebrochen hatten.

Die EU sieht in der Bombardierung Aleppos durch Russland und Syrien mögliche "Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Stärke und Ausmaß der Luftangriffe auf Ost-Aleppo seien klar unverhältnismäßig, heißt es in einer Erklärung der EU-Außenminister nach einem Treffen in Luxemburg. Vorsätzliche Angriffe auf Krankenhäuser, medizinisches Personal, Schulen, der Einsatz von Streubomben und Chemiewaffen seien eine katastrophale Eskalation des Konflikts. Die Außenminister kündigten an, "schnell zu handeln", um weitere Sanktionen gegen Syrien und Vertreter der dortigen Regierung zu verhängen, "solange die Unterdrückung anhält".

Forderungen nach neuen EU-Sanktionen gegen Russland bleiben jedoch ohne Konsequenzen. Die Außenminister der EU-Staaten konnten sich nicht auf eine gemeinsame Position zu möglichen Strafmaßnahmen einigen. Russland wurde lediglich noch einmal aufgefordert, an einer friedlichen Lösung mitzuarbeiten und Hilfslieferungen zu ermöglichen. Für Aleppo verlangten die EU-Außenminister "dringend" ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten und aller militärischen Flüge über der Stadt. Für die unter anderem von Großbritannien ins Gespräch gebrachten Sanktionen hätte es eine einstimmige Entscheidung gebraucht.

Die große Koalition in Berlin ist in der Frage von Sanktionen wegen des russischen Vorgehens in Syrien ebenfalls uneins. Während die CDU eine Bestrafung der russischen Regierung für möglich hält, lehnt die SPD Strafmaßnahmen strikt ab. Weitere Sanktionen seien "kein geeignetes Instrument" und würden nur zur Eskalation des Konflikts beitragen, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärte, dass Sanktionen zwar "nicht das erste Mittel", aber nicht ausgeschlossen seien.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang des Treffens mit seinen europäischen Kollegen. Er bezeichnete die aktuell wieder aufgenommenen Syrien-Gespräche als einzigen erfolgversprechenden Weg. Am Ende einer emotionalen und kontroversen Debatte habe sich die Position durchgesetzt, die sich am stärksten an dem Bedürfnis der Menschen in Aleppo orientiere, sagte Steinmeier.

Wie die Debatte über eine härtere Gangart gegenüber Kreml-Chef Wladimir Putin weitergeht, wird der EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel zeigen. Dabei wollen die Staats- und Regierungschefs über den Umgang mit Russland diskutieren. Eine Einigung auf neue Sanktionen könnte allerdings auch dort nur einstimmig erfolgen.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn forderte deswegen, die Diskussionen abzubrechen und rief dazu auf, sich einzugestehen, dass die Handlungsoptionen der EU begrenzt seien. "Wir als Europäische Union haben keinen Knopf, auf den wir drücken können, damit das aufhört", sagte er mit Blick auf die Lage in Aleppo.