Russland bedauert den Abbruch der Gespräche mit den USA über eine Waffenruhe in Syrien. Das schade dem Kampf gegen Terrorgruppen in dem Bürgerkriegsland. Gleichzeitig wies die Regierung in Moskau jedoch den USA die Schuld zu. Die USA hätten sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen gehalten, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa.

"Die Entscheidung Washingtons zeigt, dass die Regierung von Barack Obama nicht in der Lage ist, die Schlüsselbedingungen für unsere Zusammenarbeit im Interesse einer Beendigung des Syrien-Konflikts zu erfüllen", teilte das Außenministerium in Moskau mit. "Oder sie hatte nie die Absicht." Zugleich warf Russland den USA vor, absichtlich zu wenig im Kampf gegen Terroristen in Syrien zu tun. Die USA hätten niemals ernsthaften Druck auf die Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) gemacht, hieß es. "Bei uns festigt sich der Eindruck, dass Washington in seinem Streben nach einem Machtwechsel in Syrien einen 'Pakt mit dem Teufel' eingeht."

Bisherige Waffenruhen hätten die Terroristen zuletzt gestärkt. Sie hätten sich neu aufgestellt und Waffen erhalten, kritisierte das Ministerium. Russland ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und unterstützt seine Armee seit einem Jahr mit Luftangriffen.

Vereinte Nationen wollen an Lösung weiterarbeiten

Ungeachtet der eingestellten Syrien-Gespräche zwischen den USA und Russland wollen die Vereinten Nationen weiter nach einer politischen Lösung für das Bürgerkriegsland suchen. Die UN würden das syrische Volk "niemals dem Schicksal eines endlosen Gewaltkonfliktes überlassen", sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura in Genf. Die UN würden weiter "mit aller Kraft auf eine politische Lösung drängen" und zudem alles versuchen, um Hilfslieferungen zu den Not leidenden Menschen in dem Bürgerkriegsland zu bringen.

Ein von Frankreich eingebrachter Resolutionsentwurf, über den der UN-Sicherheitsrat am Montag in New York beriet, ruft zur Wiederherstellung der Feuerpause auf und verlangt ein Verbot militärischer Flüge über Aleppo. Mit dem Text, über den das mächtigste UN-Gremium möglicherweise noch diese Woche abstimmt, soll der Druck auf Russland erhöht werden.

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin erklärte jedoch, die Resolution werde nichts bringen. Sie biete "keine Chance", ein Ende der Kämpfe zu erreichen. Auch Vizeaußenminister Gennadi Gatilow erklärte, Moskau werde den Resolutionsentwurf nicht unterstützen. Er ließ aber offen, ob Russland von seinem Veto Gebrauch machen wird, um die Resolution zu verhindern.

Geduld der USA "am Ende"

Nach zwei Wochen heftiger Kämpfe um die syrische Stadt Aleppo hatten die USA ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause für beendet erklärt. Die Geduld mit Russland sei "am Ende", hieß es aus dem Weißen Haus. Es gebe nichts mehr, "worüber die USA und Russland noch sprechen können", sagte der Sprecher Josh Earnest. Die US-Regierung hatte bereits seit Tagen mit einem Abbruch gedroht, sollte Russland seine Luftangriffe auf Aleppo nicht einstellen.

Das US-Außenministerium warf der russischen Luftwaffe vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele wie Krankenhäuser angegriffen zu haben. Neben Aleppo wurde auch die belagerte Stadt Duma heftig bombardiert. Anwohner und Aktivisten befürchten bereits, dass die Regierungstruppen in dem Vorort von Damaskus die nächste Großoffensive starten.

Die USA und Russland hatten Anfang September eine Feuerpause für Syrien vereinbart, die jedoch nach nur einer Woche kollabiert war. Eine Serie von Gesprächen zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow blieb ohne Ergebnis.

Die US-Streitkräfte töteten unterdessen offenbar einen Kommandeur der dschihadistischen Fatah-al-Scham-Front bei einem Luftangriff. Ahmed Salama Mabruk sei in der Provinz Idlib getötet worden, teilte die frühere Al-Nusra-Front mit. Das Pentagon erklärte zunächst nur, der ägyptische Extremist sei das "Ziel" eines Angriffs gewesen. Die Ergebnisse des Luftangriffs würden noch ausgewertet.

AFP/Getty
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