Die Türkei hat das EU-Kulturprogramm wegen des umstrittenen Konzertprojekts Aghet der Dresdner Sinfoniker aufgekündigt. "Die Türkei hat einseitig beschlossen, das Programm Kreatives Europa zu verlassen", sagte ein Sprecher der EU-Kommission der Bild am Sonntag. Die regierungsnahe türkische Zeitung Habertürk hatte das schon am vergangenen Montag berichtet, eine offizielle Bestätigung von türkischer Seite lag aber zunächst nicht vor.

Die Initiatoren des Projekts – der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, und der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist, Marc Sinan – verurteilten die Entscheidung. Die Reaktion der türkischen Regierung treffe vor allem die türkischen Künstlerinnen und Künstler, die von der finanziellen Förderung des EU-Kulturprogramms profitierten, hieß es in einer am Sonntag verbreiteten Mitteilung. "Es ist ein perfider Akt der türkischen Regierung, eine Versöhnungsinitiative als Vorwand zu nutzen, um türkische Künstler zu bestrafen", sagten die Initiatoren.

Das von der EU unterstützte Projekt Aghet war zum 100. Jahrestag der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich initiiert worden. Die Türkei hatte dagegen als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs auf EU-Ebene protestiert und damit Empörung ausgelöst. Die türkische Regierung wehrt sich vehement gegen die Einstufung der Massaker als Völkermord.

Förderprogramm mit 1,46 Milliarden Euro

Erst kürzlich hatten Deutschland und die Türkei ihren Streit um die Armenien-Resolution des Bundestags beigelegt. Die Türkei hatte den Besuch von Bundestagsabgeordneten bei den Bundeswehrsoldaten auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik monatelang blockiert und erst vergangene Woche wieder erlaubt. In der Armenien-Resolution hatte der Bundestag die Massaker an den Armeniern 1915/16 erstmals als Völkermord bezeichnet. Erst nachdem die Bundesregierung die Resolution als rechtlich nicht verbindlich erklärte, entspannte sich die Lage.

Bei dem Konzertprojekt Aghet spielen deutsche, türkische und armenische Musiker zusammen. Das Stück soll im November in Istanbul und der armenischen Hauptstadt Jerewan aufgeführt werden. Das Kulturprogramm, das die Türkei 2014 unterzeichnet hat, fördert mit 1,46 Milliarden Euro Künstler.