In diesem Jahr werden nach Schätzungen des italienischen Innenministeriums mehr Migranten denn je über das Mittelmeer in das Land kommen. Seit Jahresbeginn erreichten bereits 153.450 Migranten die Küsten Italiens – zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie die Tageszeitung La Repubblica unter Berufung auf das Ministerium berichtete. Es werde damit gerechnet, dass die Zahl bis zum Ende des Jahres die der 170.000 Flüchtlinge vom Rekordjahr  2014 übertreffe.

Allein in der Vorwoche kamen demnach 12.000 Menschen auf dem Seeweg nach Italien. Am Montag erreichten mehr als 4.000 Flüchtlinge Sizilien und Kalabrien, darunter auch mehr als 15 Tote, die die Fahrt nicht überlebt hatten. In den kommenden Stunden würden Tausende neue Flüchtlinge erwartet.  

Deutlich mehr Tote als im Vorjahr

Zwar kommen mehr Menschen über das Mittelmeer nach Italien, aber die Gesamtzahl der über das Mittelmeer nach Europa gereisten Migranten geht zurück. 2015 gelangte auf diesem Weg etwa eine Million Flüchtlinge auf den Kontinent. In diesem Jahr waren es bislang 327.800, teilte der Sprecher des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) mit.

Allerdings sei das Risiko gestiegen, bei der Überfahrt ums Leben zu kommen. Am gefährlichsten ist laut Spindler die Route der Menschenschmuggler über das zentrale Mittelmeer von Libyen nach Italien. Hier überlebe statistisch gesehen jeweils einer von 47 Menschen den Fluchtversuch nicht.

Nach UN-Angaben sind bisher mindestens 3.740 Menschen in diesem Jahr bei der Flucht über das Mittelmeer umgekommen. Damit sei zu befürchten, dass die Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge bis Ende 2016 den Rekord des Vorjahres deutlich übersteigen werde, sagte ein UNHCR-Sprecher. 2015 seien 3.771 Todesfälle registriert worden.

Italien fordert mehr Unterstützung

Italien ist eines der Hauptankunftsländer für Migranten und entwickelt sich zusehends vom Transit- in ein Zielland. Auch deshalb fühlt sich das Land von anderen EU-Ländern im Stich gelassen, die sich weigern, Migranten aufzunehmen. Italien mahnt deshalb zu mehr Solidarität in der Flüchtlingskrise.

Das Land habe die ersten Schritte getan, beispielsweise mit der Finanzierung eines Aufnahmezentrums in Niger, heißt es aus dem italienischen Innenministerium. Es sei aber ein gesamteuropäischer Einsatz nötig. Trotz der Versprechen aus Brüssel fühle Italien sich mit der Situation allein gelassen.

Im Haushaltsentwurf für 2017 begründet die Regierung von Italiens Premierminister Matteo Renzi die geplante Neuverschuldung auch mit der Flüchtlingskrise: Die Zahl der ankommenden Menschen übe einen "beträchtlichen Druck" auf das Land aus und stelle die Aufnahmekapazitäten auf die Probe, heißt es darin.