Der designierte UN-Generalsekretär António Guterres hat sich für eine weltweite Verteilung von Flüchtlingen ausgesprochen. Länder wie der Libanon, die Türkei oder Jordanien müssten entlastet werden und die dort untergebrachten Flüchtlinge verteilt werden, sagte Guterres dem Focus. "Wir müssen sie viel stärker als bisher unterstützen und die Flüchtlinge weltweit verteilen. Wir brauchen ein groß angelegtes und effizientes Verteilungssystem. Nicht nur nach Europa, sondern auch nach Nordamerika, Lateinamerika, Australien."

Dafür gebe es auch ein Vorbild aus den siebziger Jahren, als die gesamte Weltgemeinschaft den Boat People aus Vietnam geholfen habe.

Der 67-jährige Guterres sprach sich auch für einen Mentalitätswechsel bei den Vereinten Nationen aus: Die Organisation müsse sich viel stärker als bisher dafür einsetzen, dass Krisen gar nicht erst entstünden. "Die Diplomatie soll Konflikte verhindern, aber wir müssen auch die Lebensbedingungen, die Sicherheit und die Menschenrechte fördern und die Folgen des Klimawandels eindämmen."

Der frühere portugiesische Regierungschef soll im Januar nächsten Jahres Ban Ki Moon an der Spitze der UNO nachfolgen. Guterres war zwischen 2005 und 2015 UN-Flüchtlingskommissar.