Die USA haben Russlands Regierung vorgeworfen, mit Hackerangriffen Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf zu nehmen. Das Heimatschutzministerium und das Büro des nationalen Geheimdienstdirektors veröffentlichten am Freitag eine entsprechende Erklärung. Man sei überzeugt, dass Russland hinter den Angriffen auf Computersysteme politischer Organisationen und Institutionen stehe. Die Regierung in Moskau wies die Vorwürfe umgehend zurück.

Die Enthüllungen durch WikiLeaks und andere Webseiten stünden "im Einklang mit den Methoden und Motivationen Russlands", heißt es in der Erklärung. Russland habe "ähnliche Taktiken und Techniken eingesetzt, um die öffentliche Meinung in Europa und Eurasien zu beeinflussen". Und weiter: "Diese Diebstähle und Enthüllungen zielen auf Einmischung in den US-Wahlprozess ab. Wir glauben auf der Basis des Ausmaßes dieser Bestrebungen, dass nur Russlands ranghöchste Beamte diese Aktivitäten genehmigt haben können."

Es sei zwar nach ihrer Einschätzung "extrem schwierig" für einen Hacker oder auch einen Staat, Stimmenauszählungen oder Wahlresultate durch Cybereingriffe zu manipulieren, so das Ministerium und der Geheimdirektor weiter; diese Einschätzung basiere darauf, dass das Wahlsystem in den USA dezentralisiert sei und es in Staaten und Kommunen eine Reihe von Schutzmaßnahmen gebe. Dennoch seien Wahlbeamte auf beiden Ebenen weiterhin dazu aufgerufen, wachsam zu sein.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte zu den Vorwürfen: "Das ist wieder einmal ziemlicher Unsinn." Auch auf die Webseite von Präsident Wladimir Putin gebe es täglich Zehntausende Angriffe. Obwohl viele davon in die USA zurückverfolgt werden könnten, mache Moskau nicht die US-Regierung verantwortlich, ergänzte Peskow. Der frühere russische Parlamentspräsident Alexej Puschkow warf den USA vor, angesichts großangelegter Spähprogramme des US-Geheimdiensts NSA mit Doppelstandards zu arbeiten. "Russland werden Hackerangriffe unterstellt von jenen US-Diensten, die geschworen haben, dass die NSA weder Amerikaner noch ausländische Führer ausspioniert hat", zitierte ihn die Agentur Tass.

Im August hatte die Enthüllungsplattform WikiLeaks gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass das Führungsgremium im Vorwahlkampf stark zugunsten von Hillary Clinton und somit gegen ihren Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war. Die Enthüllungen führten zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz.  

Später wurde bekannt, dass der Hackerangriff auf die Demokraten noch umfangreicher war. Schon damals verdächtigten Experten und Regierungskreise russische Hacker mit Verbindungen zu Regierungsorganisationen. Der russische Präsident stritt die Vorwürfe in einem Interview mit Bloomberg ab. "Darüber ist mir nichts bekannt. Russland hat etwas dieser Art noch nie gemacht", sagte er. Er könne sich nicht vorstellen, warum diese Informationen überhaupt von Interesse für die amerikanische Öffentlichkeit seien könnten, sagte Putin.