Fünfter Stopp: Nelsonville, Athens County. Einwohner: 5.400, im County 64.600. Menschen, die im County in Armut leben: 31,6 Prozent. In einer aktuellen Umfrage führt Donald Trump mit 60,3 Prozent vor Hillary Clinton mit 39,7 Prozent. Noch sechs Tage bis zur Wahl. Lesen Sie alle Teile der Serie hier.

Das Schild wirkt wie ein schlechter Scherz, als wolle es die Menschen in Nelsonville verhöhnen: "Lake Hope, 14 miles". Es steht im Zentrum der Kleinstadt im Südosten Ohios. 14 Meilen bis zum See, der Hoffnung heißt. Doch der Weg zur Hoffnung ist in Nelsonville sehr viel weiter als nur ein paar Kilometer. Die Häuser am Ortseingang sind klein, schäbig. Das Café, das laut Werbetafel Frühstück, Mittag- und Abendessen serviert, gibt es schon lange nicht mehr. Auf dem verwaisten Platz stehen zwei Autoruinen. Ein Stückchen weiter wirbt "Paradise Beach Tanning" mit karibischer Bräune. Das Paradies, noch so ein schlechter Scherz.

Nelsonville liegt in Athens County und nirgendwo sind die Menschen so arm wie in diesem Teil Ohios. Die Armutsrate liegt bei über 31 Prozent. Jeder Dritte hier muss regelmäßig zur gemeinnützigenFood Pantry gehen, um über die Runden zu kommen. Dort geben Freiwillige Obst, Gemüse, Eier, Erdnussbutter und Konserven aus. Der Bedarf steigt ständig. Es ist eine ländliche Gegend, Industrie gibt es kaum noch. Zwar wurde die Schauspielerin Sarah Jessica Parker hier geboren, aber Glamour findet hier niemand.

Meta Ackley hat ihr ganzes Leben hier verbracht. Jetzt ist sie 88 und ihre Rente reicht nicht zum Leben. Ackley hat als Köchin gearbeitet und knapp 1.100 Dollar Rente zur Verfügung, etwas unter 1.000 Euro. "Ich komme nicht immer hierher", sagt sie und blickt auf die Regale voller Cornflakes und Tomatensuppe der Food Pantry.

»Oh Ohio!« – alle Folgen

Sie will es ohne fremde Hilfe schaffen. Ihre fünf Kinder helfen aus, bringen Ackley, die immer noch jeden Tag selber kocht, ab und zu Fleisch. Aber auch ein Enkel lebt bei ihr. Allzu oft reicht das Geld am Ende des Monats dann doch nicht mehr.

Um Geld zu sparen, hatte Ackley ihr Bett bis vor einigen Monaten noch im Wohnzimmer stehen. Denn das Haus, in dem sie wohnt, war nicht isoliert und das Schlafzimmer einfach zu kalt. Sie nutzte eine Ofenheizung in der Küche und im Wohnzimmer standen einfache elektrische Heizgeräte, die die Stromrechnung in die Höhe trieben. Geld für eine Isolierung oder moderne Heizanlage war nicht da. "Ich saß auf meiner Veranda und habe gebetet, dass mir einmal etwas Schönes passiert", sagt Ackley. Gott, so sieht die 88-Jährige das, habe sie nun erhört.

Denn unter dem Dach von hapcap (Hocking Athens Perry Community Action) arbeiten verschiedene gemeinnützige Organisationen mit den Gemeinden zusammen. Sie wollen die Armut der Menschen lindern und helfen nicht nur mit Lebensmitteln, sondern versuchen auch die schlechten Wohnbedingungen zu verbessern, in denen die meisten hier leben. Und so kam Ackley wieder zu einem richtigen Schlafzimmer. Schön warm sei es jetzt, auch im Winter.  

Dass sie, die ihr Leben lang gearbeitet hat, auf Lebensmittelspenden angewiesen ist, behagt ihr zwar nicht, aber sie verheimlicht es trotzdem nicht. Denn vielen ihrer Nachbarn geht es genauso.