Barack Obama hat in seiner letzten großen internationalen Rede als US-Präsident für die Demokratie als Regierungsform geworben. "Sie ist nicht perfekt", sagte Obama bei seinem Besuch in Athen. Demokratie sei langsam, chaotisch und kompliziert. Zudem seien Politiker oft unbeliebt, auch weil sie ständig Kompromisse schließen müssten. Trotzdem gelte der Ausspruch von Winston Churchill, wonach Demokratie die schlechteste aller Regierungsformen sei – abgesehen von allen anderen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden seien.

Als Begründung führte Obama an, dass die Demokratie den Menschen ein Mitspracherecht gebe und zum Frieden beitrage. Zudem unterstütze sie die friedliche Lösung von Konflikten. Als Beispiel führte Obama den Wahlsieg von Donald Trump an. "Es war ein harter Wahlkampf, aber jetzt gibt es einen friedlichen Übergang", sagte Obama. Und das, obwohl Trump und er unterschiedlicher nicht sein könnten. "Die Demokratie ist größer als einzelne Personen."

Zugleich räumte der scheidende US-Präsident ein, dass es unterschiedliche Ansichten über Herrschaft gebe. Man sage, dass es westliche Ideale seien, zu denen manche Kulturen nicht passten. "Es stimmt, dass jedes Land seinen eigenen Weg geht." Aber es gebe ein grundsätzliches Bestreben, das eigene Leben in Würde zu leben und den Kurs der Gemeinschaft mitzubestimmen. "Wir arbeiten notwendigerweise mit allen Ländern zusammen." Aber das Ziel sei, die zu unterstützen, die an die Demokratie glauben.

Dabei gehe es nicht nur um Ideale, sondern auch um Pragmatismus, weil die Geschichte zeige, dass Demokratien gerechter, stabiler und erfolgreicher seien. Offene Gesellschaften schafften mehr Wohlstand, weil sie kreativer und innovativer seien. Zudem führten Demokratien seltener untereinander Krieg. In diesem Zusammenhang wies Obama noch einmal darauf hin, dass die USA auch unter Präsident Trump die Nato unvermindert unterstützen würden. "Das Bündnis ist so stark und bereit wie nie zuvor."

Globalisierung als Herausforderung der Demokratie

Als eine große Herausforderung für die Demokratie machte Obama die negativen Auswirkungen der Globalisierung aus. Bei allen positiven Effekten führe sie dazu, dass Ungleichheiten verstärkt würden. "Wenn die Reichen und Mächtigen in einem anderen System leben, kommt ein Gefühl von Ungerechtigkeit auf", sagte Obama. Daraus könnten neue Konflikte entstehen, die nur mit einer Kurskorrektur verhindert werden könnten: "Handel muss für uns, nicht gegen uns arbeiten", sagte Obama mit Blick auf die globale Wirtschaft. Die erwirtschafteten Gewinne müssten stärker verteilt werden, sodass mehr Menschen davon profitierten. Für eine solche verträgliche Globalisierung brauche es aber politischen Willen. Dieser sei essenziell, damit sich die Menschen in Zukunft nicht abwenden und antidemokratische Bewegungen bevorzugten.

Trotzdem gab sich Obama am Ende optimistisch, dass die Idee der Herrschaft durch das Volk bestehen wird. Dafür brauche es aber die Bereitschaft, für die Idee einzustehen. "Fortschritt ist nicht garantiert, er muss von jeder Generation erarbeitet werden."