Als Donald Trump zum 45. US-Präsident gewählt wurde, zeigte sich Europa geschockt. Die iranische Regierung nahm dieses Wahlergebnis dagegen gelassen zur Kenntnis. Und das, obwohl Trump mehrmals zum Ausdruck gebracht hatte, wie wenig er vom Atomabkommen mit dem Iran hält.

Irans politische Elite zeigte sich zudem nicht sonderlich überrascht von Trumps Wahlerfolg. Wenige Tage vor der Wahl kommentierte Revolutionsführer Ajatollah Chamenei die TV-Debatten zwischen Hillary Clinton und Donald Trump abschätzig und betonte, dass die beiden Kandidaten "das wahre Gesicht" der USA offenbarten. Chamenei sagte in seiner Ansprache zudem, dass derjenige Kandidat populärer sei, "der den schärferen Ton anschlägt". 

Sowohl Chamenei als auch Präsident Hassan Ruhani machten deutlich, dass ein neuer Präsident in den USA nichts an der politischen Ausrichtung der Regierung in Teheran ändern werde. "Wir sind weder traurig noch glücklich, da es für uns keinen Unterschied macht", stellte Chamenei nach der Wahl klar. Der Iran sei unbesorgt und gleichzeitig auf alle Eventualitäten vorbereitet. Ruhani unterstrich, der Iran werde sich an die Abmachungen des Atomabkommens halten, ganz gleich, wer im Weißen Haus sitzt.

Außenminister Dschawad Sarif gab zu verstehen, dass sich "jeder US-Präsident an Abkommen und Verpflichtungen" halten müsse. Er betonte zudem, das Atomabkommen sei keine bilaterale Abmachung zwischen Washington und Teheran und erteilte neuen Verhandlungen eine Absage.

Gleichzeitig nehmen natürlich auch die Iraner zur Kenntnis, dass nahezu jeder Kandidat, der als zukünftiger US-Außenminister im Rennen ist oder war, eine radikale Position gegenüber der Islamischen Republik vertritt. Rudy Giuliani, Newt Ginrich und John Bolton sind bestens dafür bekannt, langjährige Unterstützer der in Iran verhassten und als Terrororganisation geltenden Volksmudschahedin zu sein.

"Dieser katastrophale Deal"

Mike Pompeo, derzeit noch Senator im US-Bundesstaat Kansas, wurde von Trump als Chef des CIA nominiert. In einem Tweet brachte er seine Vorfreude darauf zum Ausdruck, "diesen katastrophalen Deal" rückgängig zu machen.

Woher rührt also die Gelassenheit in Teheran?

Ohne jeden Zweifel sind die USA in der Lage, den wirtschaftlichen Zugewinn des Irans aus dem Atomabkommen möglichst niedrig zu halten, indem der Kongress neue unilaterale Sanktionen zum Beispiel gegen das iranische Raketenprogramm verhängt, oder aber indem die Außenhandelsbehörde OFAC weiterhin Lizenzen für den Handel internationaler Unternehmen mit US-Geschäft zurückhält. 

Mit diesem Szenario hatte der Iran jedoch auch unter einer Präsidentschaft von Hillary Clinton gerechnet. Auch von ihr erwartete man nicht, dass sie sich wie Präsident Obama etwa gegen neue Sanktionen des Kongresses stemmen und mit ihrem Veto aufhalten würde.

Es ist wichtig zu bedenken, dass Irans Bereitschaft zum Abkommen nicht nur auf wirtschaftlichen Erwägungen basierte. Für den Iran hat das Abkommen auch eine sicherheitspolitische Dimension – eine Art grundsätzliches Arrangement mit den Weltmächten. Solange das Abkommen besteht, braucht der Iran weder eine Militäroffensive noch die Verfolgung der "regime change"-Politik zu fürchten. Dies minimiert das Bedrohungsempfinden Teherans.

Freihandel - Trump kündigt Ausstieg aus TPP-Abkommen an In den Plänen für seine ersten 100 Tage im Amt kündigt der designierte US-Präsident Donald Trump an, aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP aussteigen zu wollen. Das geplante Abkommen sei eine "Katastrophe für das Land", sagte Trump. © Foto: Drew Angerer/Getty Images