Der Slogan war griffig und hätte auch von jedem anderen Kandidaten strapaziert werden können. "Amerika zuerst" rief Donald Trump im Frühjahr auf einer Wahlkampfrede, in der er erstmals die außenpolitischen Züge einer Präsidentschaft unter ihm skizzierte. Doch was er dann ausführte, hatte Politiker und Strategen in Asien und Europa aufhorchen lassen. Amerikas Verbündete sollten sich künftig mehr selbst um ihre Sicherheit und Verteidigung kümmern. Und falls nicht, sollten sie für ihren Schutz mehr Geld an Washington zahlen.

So lautete in groben Zügen Trumps Ansage vom 27. April. Konkret revidiert hat er davon bislang nichts. In der Konsequenz kann das auch bedeuten, dass Staaten, die über die technischen Kompetenzen verfügen, sich gleich eigene Atombomben bauen. Kleinere Staaten, die sich bislang auf einen militärischen Schutzschirm der USA verlassen haben, blicken erst mal verunsichert in die nahe Zukunft. Ein spürbarer militärischer Rückzug der USA kann zudem Staaten in Asien dazu verleiten, eigene Abkommen mit Unterdrückungsstaaten wie China und Russland zu schließen – zum Schaden multilateraler Systeme. 

Außenpolitische Erfahrungen hat Trump keine, er ist kein Politiker, deshalb bleiben Vorhersagen über seine zukünftige Politik für Ostasien und den Westpazifik schwierig. Ein paar Dinge lassen sich aber jetzt schon sagen, vieles davon hat mit China zu tun. 


Chinas Präsident Xi Jinping bot dem künftigen US-Präsidenten nach dem Wahlsieg eine enge Zusammenarbeit an, man wolle die Beziehungen zwischen China und den USA stärken. In offiziellen Medien Chinas allerdings wurde zuvor der bis ins Ordinäre entglittene Wahlkampf Trump-Clinton zum Teil mit Schadenfreude begleitet. Da die Propaganda der herrschenden Kommunistischen Partei den eigenen Einparteienstaat durch das Diskreditieren liberaler Rechtsstaaten zu stärken versucht, bot sich das an. So hieß es noch am Dienstag in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, Trump und Clinton hätten erfolgreich die dunkelsten Seiten jenes politischen Systems offengelegt, das Washington dem Rest der Welt aufzwingen wolle.  

Dessen ungeachtet wird man aber in Peking davon ausgehen, dass mit Trump wegen seiner fehlenden politischen Erfahrung leichter umzugehen ist als mit Hillary Clinton. Die Ex-Außenministerin galt China gegenüber als tough. Sie propagierte unter Präsident Barack Obama seit 2011 bereits dessen Hinwendung nach Asien (pivot to asia). Dieser Schwenk war geostrategisch als Eindämmung Pekings angelegt, ökonomisch sollte dazu mit dem Abschluss eines transpazifischen Handelsabkommens (TPP) ein Pendant zu China entstehen. 

Eine nüchterne Betrachtung dieses Schwenks ergibt aber, dass die VR China seit 2011 außenpolitisch so aggressiv gewesen ist wie nie zuvor in seiner Geschichte. Chinas Ansprüche in Ostasien sind eindeutig: Es will den Westpazifik für sich. Die Amerikaner sollen dort verschwinden, die Anrainer still sein. Man hat dafür auf mehreren Riffen und Sandbänken künstliche Inseln gebaut, um diese als militärische Posten zu nutzen, gleichzeitig streifen gut gerüstete Küstenschutzboote aus China durch die Gewässer. Die USA, seit Ende des Zweiten Weltkrieges im Westpazifik eine Art stiller Hegemon, haben das trotz ihrer Hinwendung zu Asien nicht verhindert.