Donald Trump hat einen neuen Berater. Und zwar keinen von diesen alten weißen Männern, die wahlweise Hispanics oder Frauen diskriminieren, um ihre Unerfahrenheit in politischen Dingen zu überdecken. Der neue Berater hat Amtserfahrung, kennt sich mit den relevanten Themen aus und folgt einer ethischen Richtschnur, die entlang des westlichen Wertekonsenses verläuft. Er wohnt in der Pennsylvania Avenue, dort, wo statt seiner bald Donald Trump einziehen wird.

Barack Obama könnte versuchen, den Handlungsspielraum seines Nachfolgers einzuschränken, indem er zum Beispiel das pazifische Handelsabkommen TPP noch in den Kongress einbringt. Was Obama bisher getan hat, ist das Gegenteil dessen. Er sagt: "Meine Rolle ist es, sicherzustellen, dass ich das Weiße Haus in bestem Zustand übergebe und ihm so hilfreich wie möglich bin, damit er auf unsere Fortschritte aufbauen kann."

Verharmlost Obama die Gefahr, die von dem rassistischen Demagogen Trump ausgeht? Manche Kommentatoren tun genau das, wenn sie sagen, es werde alles schon nicht so schlimm werden. Was Obama macht, ist aber keine Verharmlosung, sondern Zweckoptimismus.

Obama will Trump führen

Denn er sieht offensichtlich eine Chance darin, dass sein Nachfolger so wenig Erfahrung vorzuweisen hat. Das Regierungsprogramm, mit dem Trump Wahlkampf gemacht hat, lässt einigen Spielraum. "Ich glaube nicht, dass er ideologisch ist", sagt Obama. "Ich glaube, dass er pragmatisch ist. Und das kann gut für ihn sein, wenn er gute Leute um sich herum hat." Er ist wie ein Gefäß, höchstens halbvoll mit Ideen, wie er das Land verändern möchte. Obama kann noch einiges hineinfüllen, solange Trump auf ihn angewiesen ist.

Und das ist er. Trump hat, anders als Hillary Clinton, die Übernahme der Macht nicht durchgespielt. Bei seinem Besuch im Weißen Haus, so berichtet das Wall Street Journal, sei sein Team von der Information überrascht worden, dass es den kompletten politische Stab wird austauschen müssen. Weiter heißt es, Obama habe nach dem Treffen verstanden, dass sein Nachfolger mehr Führung brauche. Er wolle darum in den kommenden Wochen mehr Zeit mit ihm verbringen, als es scheidende Präsidenten üblicherweise tun.

Damit das einen Sinn hat, muss Obama Trumps Vertrauen gewinnen. Ein Ding der Unmöglichkeit, könnte man meinen, wenn man Trumps Schmähungen über Obama und Obamas Warnungen vor Trump noch im Ohr hat. Auf YouTube lässt sich nachsehen, wie sich Obama 2011 bei einem Bankett über die Vorstellung lustig machte, Trump würde einmal Präsident werden. Trump seinerseits bezeichnete Obama als den vielleicht schlechtesten Präsidenten in der Geschichte des Landes und ein "Desaster".