Der im Januar aus dem Amt scheidende US-Präsident Barack Obama hat neue Öl- und Gasbohrungen in der Arktis untersagt. In der Tschuktschen- und der Beaufortsee nördlich des Bundesstaats Alaska sollen von 2017 bis 2022 keine Bohrgenehmigungen erteilt werden, wie die US-Regierung verkündete. Der Plan erlaubt aber weiter Bohrungen im Cook Inlet, einer Bucht südwestlich von Anchorage. Angesichts des einzigartigen Ökosystems der Arktis und des "nachlassenden Interesses der Industrie" sei der Verzicht auf Bohrgenehmigungen "der richtige Weg", erklärte Innenministerin Sally Jewell.

Umweltschützer begrüßten die Entscheidung. Der Zeitpunkt könne "nicht günstiger sein", erklärte die Umweltschutzorganisation Sierra Club mit Blick auf den Amtsantritt von Obamas Nachfolger Donald Trump im Januar. Trump hatte im Wahlkampf eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung in den USA angekündigt.

Die Republikaner, die in beiden Kongresskammern in der Mehrheit sind, kündigten bereits an, die Entscheidung wieder rückgängig zu machen. In seinen letzten Wochen im Amt baue Obama noch "neue Hindernisse für die Energieentwicklung" der USA auf, kritisierte der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan.

Fast 400 Wissenschaftler hatten Obama in einem Brief gedrängt, Bohrungen im Nordpolarmeer – auch Nördliches Eismeer genannt – in näherer Zukunft nicht zu erlauben. Naturschützer befürchten, industrielle Aktivitäten in dem eisigen Meer könnten Wale, Walrosse und andere dort lebende Tiere schädigen und zudem zur globalen Klimaerwärmung beitragen.

Erlaubt bleiben die Bohrungen neben dem Cook Inlet auch im Golf von Mexiko, der lange das Zentrum der Ölförderung in den USA war. Zehn der elf Lizenzen, die im Plan zur Pacht ausgeschrieben sind, finden sich dort. Bohrungen im Atlantik schließt der Plan aus. Das hatte die US-Regierung bereits im Frühjahr angekündigt.